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Über den Autor
Thorsten Ziehl
Eine faire Gehaltsentwicklung erfordert regelmäßige Gespräche zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, in denen das Gleichgewicht von Leistung und Vergütung überprüft wird. Der Austausch sollte offen und konstruktiv erfolgen, mit klaren Zielen und konkreten Beispielen als Basis.
Gute Vorbereitung und strukturierte Gespräche helfen dabei beiden Seiten, gemeinsam die nächsten Entwicklungsschritte zu planen und eine faire Vergütung sicherzustellen. Dieser Artikel unseres HR-Lexikons navigiert Dich durch Deine nächste Gehaltsverhandlung mit Deinen Mitarbeitern.
Entdecke, wie Du eine faire Gehaltsverhandlung führst und dabei Leistung und Vergütung im Gleichgewicht hältst.
- Grundverständnis und Bedeutung der Gehaltsverhandlung in Unternehmen
- Zieldokumentation als Basis einer jeden Gehaltsverhandlung
- Ein maßgeschneiderter Gehaltsentwicklungsplan für Dein Unternehmen
- Der ideale Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung
- Gesprächsvorbereitung und Durchführung
- Gehaltsverhandlung: So schaffst Du eine angenehme Atmosphäre
- Gehaltsverhandlung Tipps: Alternativen zur klassischen Gehaltserhöhung
- Fazit
- FAQ
Grundverständnis und Bedeutung der Gehaltsverhandlung in Unternehmen
Vor dem Hintergrund einer langfristigen, partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Dir und Deinen Mitarbeitern sollte im Rahmen eines regelmäßigen Gedankenaustausches immer wieder das Prinzip des Ausgleichs von Geben und Nehmen überprüft werden.
Hier sollten beide Seiten offen abgleichen, welche Ziele in welchem Umfang erreicht wurden. Argumente und Begründungen sind auf Basis konkreter Beispiele auszutauschen, damit von Beginn an ein konstruktiver Austausch stattfinden kann
Zieldokumentation als Basis einer jeden Gehaltsverhandlung
Damit Arbeitgebende und Arbeitnehmende für ihre Gespräche über eine gute Grundlage verfügen, hat sich eine gute Dokumentation der Ziele bewährt. Hier sind die im jeweiligen Zeitraum vereinbarten Eckpunkte (z.B. 3/6/12 Monate) möglichst detailliert und wenn möglich auch quantifiziert niederzulegen. Bei qualifizierten Zielen ist auf jeden Fall das gemeinsame Verständnis einer Zielerreichung festzuhalten, um Diskussionen im Nachgang zu vermeiden.
Bei der Zielformulierung gibt die SMART-Methode eine gute Orientierung. Demzufolge sind Ziele wie folgt zu formulieren:
- S = Spezifisch
- M = Messbar
- A = Attraktiv
- R = Realistisch
- T = Terminiert
Ein maßgeschneiderter Gehaltsentwicklungsplan für Dein Unternehmen
Für bestimmte Positionen empfiehlt es sich auch, einen mehrjährigen Gehaltsentwicklungsplan aufzustellen. Dieser zeigt dem Arbeitnehmenden auf, wie er im Laufe der Zeit weiterentwickelt und auf neue (Führungs-) Aufgaben vorbereitet wird.
Diese Weiterentwicklung ist an das Erreichen der dort definierten Ziele gekoppelt. Diese werden zu Milestones zusammengefasst und sind bei Zielerreichung mit der Einstufung auf das nächsthöhere Gehaltsniveau verbunden. Diese festgelegten Gehaltsstufen werden auch als Fixgehalt bezeichnet.
Teilweise kann dies dann auch die Integration variabler Gehaltsbestandteile beinhalten, welche wiederum durch separate Zielvereinbarungen konkretisiert werden.
Vergleichsgehälter als Orientierung
Bei der Festlegung der Fixgehaltsstufen solltest Du Dich zunächst an Vergleichsgehältern in der Branche oder – sofern vorhanden – bei vergleichbaren Unternehmen orientieren. Darüber hinaus geben Portale wie Gehalt.de Anhaltspunkte bezogen auf Position und Region.
Hier werden in der Regel Bandbreiten von/bis angegeben. Eine gute Diskussionsbasis kann hier z.B. der Mittelwert +10% sein. Natürlich sind im Einzelfall auch Faktoren wie Qualifikation, Erfahrung, Spezialkenntnisse und Verfügbarkeit bei der Gehaltsfindung zu berücksichtigen.
Tarifabschlüsse als Orientierung
Im Rahmen der Entwicklung und Vereinbarung von Gehältern bieten auch laufende Tarifabschlüsse einen guten Anhaltspunkt. Auch wenn diese i.d.R. nur für bestimmte Branchen gelten, gibt die Höhe der vereinbarten Steigerungen einen allgemeinen Indikator, wie die Tarifvertragsparteien Faktoren wie Inflationsentwicklung etc. einschätzen und entsprechend berücksichtigen.
Der ideale Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung
Eine Gehaltsverhandlung sollte aus Sicht der Führungskräfte gut geplant und strategisch sinnvoll terminiert werden, um den Erfolg des Gesprächs zu maximieren. Idealerweise finden Gehaltsverhandlungen im Rahmen regelmäßiger Mitarbeitergespräche oder Leistungsbeurteilungen statt, etwa einmal im Jahr.
Dies schafft eine planbare Struktur und gibt allen Beteiligten ausreichend Zeit zur Vorbereitung. Eine günstige Gelegenheit für eine Gehaltsverhandlung ergibt sich auch, wenn der Mitarbeiter außergewöhnliche Leistungen erbracht hat, neue Verantwortungen übernommen hat oder sich deutlich weiterentwickelt hat.
Zudem ist es ratsam, Gehaltsverhandlungen in wirtschaftlich stabilen Zeiten anzusetzen, in denen das Unternehmen finanziell gut aufgestellt ist, um Spielraum für eine Gehaltserhöhung zu gewährleisten. Eine gute Praxis ist es, die Verhandlungen nicht direkt nach einer Krisenphase oder kurz vor Ende des Geschäftsjahres anzusetzen, da in solchen Zeiten oft Unsicherheiten bestehen.
Auch der Zeitpunkt des Quartalsendes oder nach wichtigen Projekterfolgen kann für eine Gehaltsverhandlung sinnvoll sein, um die erreichten Leistungen direkt als Argumente einzubringen. Achte unbedingt darauf, die Gespräche nicht zu überstürzen, sondern gezielt zu planen, um eine faktenbasierte und konstruktive Verhandlung führen zu können.
Gesprächsvorbereitung und Durchführung
Auf das Entwicklungsgespräch sollten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer entsprechend vorbereiten.
Folgende Fragen sind hier hilfreich:
- Was lief besonders gut?
- Was lief nicht wie geplant und was waren die Ursachen?
- Welche Learnings hat man mitgenommen?
- Was wird man künftig anders machen?
- Wo wurde besonderer Einsatz gezeigt?
- Welche Neuerungen wurden angestoßen?
- Wo wurde in besonderem Maße Eigeninitiative gezeigt?
- Wo wurde Teamgeist gezeigt?
- Wo wurde die eigene Komfortzone verlassen?
- Wo wurden Kenntnisse und Erfahrungen erlangt/erweitert?
Antworten auf diese Fragen können die Gehaltsverhandlung als Argumente unterstützen. So kann im Gespräch fair ermittelt werden, ob und inwiefern das Gehalt des Angestellten angepasst wird.
Expertentipp:
Die jeweiligen Aussagen und Einschätzungen sind entsprechend mit konkreten Beispielen zu unterlegen, um hier ein konstruktives und faktenorientiertes Gespräch führen zu können.
Gehaltsverhandlung: So schaffst Du eine angenehme Atmosphäre
Das Gespräch selbst sollte in einer offenen und positiven Atmosphäre stattfinden, in der beide Parteien die Gelegenheit haben, ihre Perspektiven darzulegen. Hierbei sind konkrete Beispiele und nachvollziehbare Argumente entscheidend, um subjektive Empfindungen zu vermeiden und die Verhandlungen sachlich zu halten.
Es ist ratsam, nicht nur über die Gehaltserhöhung selbst, sondern auch über die beruflichen Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten zu sprechen, um dem Mitarbeiter eine langfristige Perspektive aufzuzeigen.
Zudem sollten Arbeitgeber ehrliches Feedback geben können, das sowohl Stärken als auch Verbesserungspotenziale umfasst. Dies schafft Transparenz und zeigt, woran der Mitarbeiter arbeiten kann, um zukünftige Gehaltsanpassungen zu fördern.
Abschlussziele und Dokumentation sind entscheidend bei der Gehaltsverhandlung
Abschließend ist es wichtig, alle besprochenen Punkte schriftlich festzuhalten und gegebenenfalls konkrete Maßnahmen und Zielvereinbarungen zu dokumentieren, um Klarheit für die nächsten Schritte zu schaffen. Ein regelmäßiges Follow-up unterstützt dabei, die Umsetzung der vereinbarten Ziele zu überprüfen und die Motivation aufrechtzuerhalten.
Expertentipp:
Eine Dokumentation aller besprochenen Inhalte erstellen, die anschließend alle Beteiligten für ihre Unterlagen erhalten. Diese Aufzeichnungen dienen stellen auch eine gute Grundlage für das nächste Gespräch dar.
Gehaltsverhandlung Tipps: Alternativen zur klassischen Gehaltserhöhung
Es gibt vielfältige Alternativen zur klassischen Gehaltserhöhung, die Unternehmen anbieten können, um Mitarbeiter zu motivieren und ihre Zufriedenheit zu steigern. Wenn eine direkte Gehaltserhöhung nicht möglich oder gewünscht ist, bieten sich verschiedene Optionen an, um den Mitarbeitenden dennoch attraktive Vorteile zu gewähren.
Dazu zählen unter anderem Boni, zusätzliche Leistungen wie eine betriebliche Altersvorsorge, oder eine Kapitalbeteiligung. Auch mehr Urlaubstage können eine wertvolle Alternative sein, die die Work-Life-Balance verbessert und zur Mitarbeiterbindung beiträgt.
Mögliche Alternativen zur Gehaltserhöhung:
- Boni oder leistungsabhängige Prämien
- Betriebliche Altersvorsorge
- Kapitalbeteiligungen am Unternehmen
- Zusätzliche Urlaubstage
- Flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice-Optionen
- Weiterbildungsmöglichkeiten und berufliche Entwicklung
- Firmenwagen oder andere Sachleistungen
Fazit
Eine faire Gehaltsentwicklung erfordert regelmäßige Gehaltsverhandlungen, bei denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Ausgleich von Leistung und Vergütung überprüfen. Dokumentierte Zielvereinbarungen, idealerweise nach der SMART-Methode formuliert, schaffen eine solide Basis für konstruktive Gespräche.
Langfristige Gehaltsentwicklungspläne und die Orientierung an Branchengehältern oder Tarifabschlüssen bieten zusätzliche Orientierung. Eine sorgfältige Vorbereitung auf das Gespräch, unterstützt durch konkrete Beispiele, fördert einen faktenorientierten Austausch.
Alternativen zur direkten Gehaltserhöhung wie leistungsabhängige Boni, zusätzliche Urlaubstage oder Social Benefits bieten zusätzliche attraktive Optionen für Dich als Führungskraft, um die Mitarbeitermotivation und -zufriedenheit zu steigern.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Thema Gehaltsverhandlung
Sollte man sich bei einer Gehaltsverhandlung nur auf das Gehalt konzentrieren?
Nein. Neben dem Gehalt sind hier auch die Gesamtheit an weiteren Benefits eines Unternehmens (optimal sind hier ganzheitliche Ansätze, die auf die konkreten Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten sind) sowie z.B. auch Investitionen in Ausbildung und Training zu adressieren.
Sollte ich den Gehaltsentwicklungsplan eines anderen Unternehmens einfach übernehmen?
Nein. Dieser ist jeweils anhand der individuellen Gegebenheiten des Unternehmens aufzusetzen. Jeder Betrieb hat dabei unterschiedliche Anforderungen, Kultur und Marktposition, die berücksichtigt werden müssen. Ein maßgeschneiderter Gehaltsentwicklungsplan fördert die Mitarbeiterbindung und unterstützt die spezifischen Wachstumsziele des Unternehmens.
Kann ich eine Gehaltsverhandlung nutzen, um mein Profil als Top-Arbeitgeber zu schärfen?
Ja, auf jeden Fall. Wenn diese Gespräche von beiden Seiten gut vorbereitet sind, lassen sich hier vielfältige Ansätze finden, wie man gemeinsam das nächste Level erreichen kann. Eine transparente und faire Gehaltsverhandlung zeigt, dass Dein Unternehmen die Leistungen der Mitarbeiter wertschätzt. Dies trägt maßgeblich zur Arbeitgeberattraktivität und einer langfristig hohen Mitarbeiterzufriedenheit bei.
Welche Alternativen zur Gehaltserhöhung gibt es?
Es gibt vielfältige Alternativen zur klassischen Gehaltserhöhung. Boni, Zusatzleistungen wie die betriebliche Altersvorsorge, eine Kapitalbeteiligung oder mehr Urlaubstage sind mögliche Alternativen, wenn eine direkte Erhöhung nicht möglich oder gewünscht ist.