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Finanzplanung – eine umfassende Übersicht für Führungskräfte

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Über den Autor

Thorsten Ziehl

Thorsten Ziehl ist CFO bei FAIRFAMILY und ein erfahrener Manager sowie Unternehmensberater mit einem starken Hintergrund in Finanzen und strategischer Unternehmenssteuerung.
Die Finanzplanung ist eine grundlegende Säule der Unternehmensführung, die weit über das bloße Zahlenwerk hinausgeht. Es handelt sich um einen detaillierten internen Prozess, der ein integraler Bestandteil jeder strategischen und operativen Entscheidung ist.

Durch die sorgfältige Planung und fortlaufende Aktualisierung der finanziellen Prozesse stellt die Finanzplanung sicher, dass die gesetzten Unternehmensziele realistisch und erreichbar bleiben. Sie umfasst die G+V-Planung, die Kostenkontrolle, die Rentabilitätsüberwachung und vieles mehr, um nicht nur die Stabilität des Unternehmens zu gewährleisten, sondern auch dessen nachhaltiges Wachstum zu fördern.

Finanzplanung – eine Definition

Wichtig ist ein umfassendes Verständnis der Finanzplanung. Es handelt sich hier nicht nur um die Zusammenfassung eines zahlenmäßigen Ergebnisses – vielmehr ist unter der Finanzplanung ein interner Prozess zu verstehen, der alle Bereiche des Unternehmens beinhaltet.

Abgeleitet aus den Strategien und Zielsetzungen gilt es hier, die finanziellen Auswirkungen und Erfordernisse zu ermitteln sowie die notwendigen Maßnahmen zu deren Realisierung abzubilden und fortlaufend aktuell zu halten. Die Finanzplanung ist somit integraler Bestandteil einer jeden strategischen und operativen Planung.

Mit einem Finanzplan ist sicherzustellen, dass die strategischen und operativen Ziele auch aus der Finanzperspektive unterstützt und erreicht werden. Neben der Gewährleistung der nachhaltigen Stabilität und Zukunftssicherung des Unternehmens sind mittels einer Planung vom Groben zum Detail die Erfolgsgrößen festzulegen und im Nachgang sorgfältig zu kontrollieren.

Die Finanzplanung agiert hier als Navigationssystem, um bei Kursabweichung rechtzeitig geeignete Maßnahmen einzuleiten. Finanz- und Maßnahmenplanung sind somit zwingend miteinander verbunden.

Finanzplan Gliederung: Diese Teilbereiche umfasst die Planung:

G+V-Planung

  • Umsatzplanung
  • Kostenplanung
  • Rentabilitätsplanung
  • Wichtige Kennzahlen/KPIs

Bilanzplanung

  • Anlagevermögen (z.B. Investitionen)
  • Umlaufvermögen (z.B. Vorräte, Forderungen, Bankbestand)
  • Eigenkapital (z.B. Periodenergebnis/Rücklagen)
  • Fremdkapital (z.B. Kredite, Rückstellungen)

Cashflow-Planung

  • Cashflow der operativen Tätigkeit
  • Cashflow der Investitions-Tätigkeit
  • Cashflow der Finanz-Tätigkeit

Investitionsplanung

  • Materielle Wirtschaftsgüter (z.B. Maschinen)
  • Immaterielle Wirtschaftsgüter (z.B. Software)
  • jeweils Anschaffungskosten/Nutzungsdauer/Finanzierung/Auswirkung auf: G+V/Bilanz/Cashflow

Was ist eine integrierte Finanzplanung?

Unter einer integrierten Finanzplanung ist die planerische Abbildung und Verknüpfung der drei Bereiche Bilanz, G+V sowie Cashflow zu verstehen. Am einfachsten verdeutlicht dies folgendes Beispiel:

Eine Software wird für 6.000 Euro bar angeschafft.

  • Nutzungsdauer: 3 Jahre
  • Cashbestand lt. Kontoauszug zu Beginn der Periode: 26.000€
  • am Ende der Periode: 20.000€
  • ansonsten keine weiteren Geschäftsfälle

Veränderungen der jeweiligen Bereiche:

  1. Bilanz: 
  • Immaterielle Wirtschaftsgüter: +6.000€ (Kauf)
  • Bank: -6.000€
  • Immaterielle Wirtschaftsgüter: -2.000€ (Abschreibung)
  • Eigenkapital: -2.000€ (Abschreibung)
  1. G+V:
  • Abschreibungen: +2.000€
  • EBIT: -2.000€
  • Cashflow
  • EBIT: -2.000€
  • + Abschreibungen 2.000€
  • I = Cashflow aus der operativen Tätigkeit: 0€
  • Investition: -6.000€
  • II = Cashflow aus der Investitionstätigkeit: -6.000€
  • III = Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit = 0 €
  • Summe I – III = IV = Gesamtcashflow = -6.000€
  • Cashbestand zu Beginn 26.000€ – Gesamtcashflow 6.000€ = 20.000€ Cashendbestand lt. Bilanz (s.o.)

Finanzierungsplan erstellen – so meisterst Du jeden Teilbereich

Schauen wir uns die Teilbereiche der Finanzplanung etwas differenzierter an:

Umsätze 

Folgende Fragestellungen sind hier relevant:

  • Welche Produktgruppen habe ich/welche kommen wann neu hinzu?
  • Wie sehen Mengen- und Preisentwicklung aus?
  • Gibt es Anlaufkurven bei neuen Produkten?
  • Wie sieht die Verlaufskurve bei bestehenden Produkten aus (z.B. Sättigung)?
  • Erschließe ich neue Märkte (z.B. Internationalisierung)?
  • Existiert eine unterjährige Saisonalisierung (z.B. Sommerloch/ Weihnachtsgeschäft)?
  • Wie sieht die Kampagnenplanung aus (Werbung/Preise)?

Hier sind jeweils entsprechende Planungsprämissen zu setzen. Aus der Detailplanung wird dann der Gesamtumsatzwert zusammengesetzt. 

Kostenblock

Folgende Arten von Kosten sind für diesen Teil der Finanzplanung relevant:

  • Fixkosten: Welche Kosten sind kurzfristig nicht abbaubar und entstehen unabhängig von der Umsatzentwicklung:
    • Personalkosten: Welche Positionen gilt es ab wann zu besetzen – dieses führt zu einer separaten Personalkostenplanung?
    • Miete/Nebenkosten: Welche Räumlichkeiten sind erforderlich – so entstehen z.B. sog. sprungfixe Kosten, wenn ein größeres Büro zu beziehen ist?
    • Versicherungen: Wann fallen diese an, sind sie periodisch abzugrenzen,…?
    • Abschreibungen: Verteilung von Anschaffungskosten über die Nutzungsdauer – s. auch Investitionsplanung
    • sonstige Vertragsverpflichtungen mit Kündigungsfristen
  • Variable Kosten: Welche Kosten sind kurzfristig abbaubar und entstehen abhängig von der Umsatzentwicklung?
  • Wareneinsatz/Fremdleistungen
  • Werbung/Marketing
  • Reisekosten

Auch für die einzelnen Kostenpositionen sind jeweils entsprechende Planungsprämissen anzusetzen. Zu erwartende Kostenschwankungen sind entsprechend durch Szenarien abzubilden, sowohl kosten- als auch liquiditätsseitig.

EBIT/Betriebsergebnis – Net Income/Jahresüberschuss/-fehlbetrag: 

Zieht man von der Umsatz- die o.g. Kostenplanung ab, so gelangt zu einer in der Planung sehr zentralen Zahl: Dem Betriebsergebnis oder EBIT (Earnings before Interest and Tax). Das EBIT ergibt zusammen mit dem Zinsergebnis abzgl. der Steuern das Net Income (= Jahresüberschuss/-fehlbetrag). 

Rentabilität

Bildet man das Verhältnis des Periodenergebnisses zum Umsatz, erhält man die operative Umsatzrentabilität, die auch nach Produkten, Kunden oder Regionen differenziert ermittelt werden kann. Auf diese Weise kannst Du eine differenzierte Analyse der Ergebniszusammensetzung vornehmen.

Weitere wesentliche Kennzahlen der Finanzplanung

Neben der bereits beschriebenen Rentabilität lassen sich aus den geplanten Umsatz- und Kostengrößen weitere wichtige Kennzahlen ableiten:

  • Personalkostenquote: Personalkosten/Umsatz
  • Materialeinsatzquote: Materialkosten/Umsatz
  • Fixkostenquote: Fixkosten/Umsatz
  • Fixkosten und Liquidität: Goldene Regel => Die Fixkosten sollten durch wiederkehrende Einnahmen (Retainer) gedeckt sein

Investitionen 

Die Investitionsplanung ist im Rahmen der Finanzplanung die Planung, in welcher die geplanten Anschaffungen detailliert festgehalten werden. Sie ist Ergebnis der Produktionsplanung und ist somit auch im Zusammenhang mit der Mengen- und Kapazitätsplanung zu betrachten.

Neben materiellen Investitionen (z.B. Maschinen und Geschäftsausstattung) sind hier auch immaterielle Investitionen (Software, Konzessionen, Lizenzen) zu erfassen. Insgesamt weist die Investitionsplanung die vorgesehenen Anschaffungskosten (= Input für die Cashflow-Planung) für die geplante Anschaffung von Vermögenswerten aus. Im Falle einer Fremdfinanzierung ist sie gleichzeitig ein Nachweis für die geplante Mittelverwendung.

Cashflow

Die Cashflow-Planung stellt die Veränderung des Cashbestands über den Zeitablauf dar. Wie weiter oben bereits beschrieben, wird hier in 3 Teilbereiche unterschieden. 

  • Cashflow der operativen Tätigkeit
  • Cashflow der Investitions-Tätigkeit
  • Cashflow der Finanz-Tätigkeit

Diese Unterscheidung ermöglicht eine differenzierte Betrachtung der Veränderungsursachen. Die Kernfrage lautet hier: In welchen Bereichen generiert oder verbraucht das Unternehmen Cash? Gerade die Cashflow-Planung ist bei Fremdfinanzierungsanfragen, aber auch bei beabsichtigten Beteiligungen Dritter eine wesentliche Entscheidungsgrundlage.

Flexibilität in der Finanzplanung: Unerwartete Schwankungen meistern

Das Grundproblem der Planung besteht darin, möglichst nah an die künftig erwartete Realität zu kommen. Da diese Einschätzung immer mit Unsicherheiten verbunden ist, fixiert man das aktuelle Verständnis von der zukünftigen Entwicklung mit den Planungsprämissen – man spielt verschiedene Szenarien durch.

Da diese jedoch streuen können, werden diese Prämissen zu unterschiedlichen Szenarien (optimistisch, realistisch, pessimistisch) zusammengefasst. Auf diese Weise kann man erkennen, wie weit die zukünftige Entwicklung streuen kann und auf welche Entwicklungen man sich ggf. bereits jetzt vorbereiten sollte.

Neben dem Durchspielen unterschiedlicher Szenarien sollte auch immer eine Reserve für unerwartete Entwicklungen eingeplant werden. Dies gilt sowohl für die Kosten als auch für die Liquidität. Diese Reserven sollten als solche definiert sein und nur nach vorher festgelegten Kriterien (= nach einem Freigabeprozess) kontrolliert eingesetzt werden. 

Risiken der Finanzplanung im Unternehmen

  • Fehleinschätzungen: Ungenaue Prognosen können zu finanziellen Fehlentscheidungen führen. – Beispiel: Eine fehlerhafte Umsatzprognose könnte zu unzureichender Liquidität führen.
  • Abhängigkeit: Übermäßiger Fokus auf eine detaillierte Planung kann Chancen übersehen.
  • Inflexibilität: Ein zu starrer Finanzplan kann Anpassungen an Marktveränderungen erschweren.

Fazit

Zusammenfassend kann gesagt werden: Eine detaillierte und differenzierte Finanzplanung ist eine wichtige Entscheidungsunterstützung. Sie ist aber weder in Stein gemeißelt noch alleiniges Entscheidungskriterium.

So wie sich das Markt- und Entscheidungsumfeld ändert, so ist auch die Finanzplanung in festen Zyklen oder nach wesentlichen Veränderungen stets anzupassen und zu aktualisieren. Eine inflexible Finanzplanung kann bei fehlender Fortentwicklung zu falschen Entscheidungen führen. 

Darüber hinaus ist die Finanzplanung auch im Zusammenhang mit anderen strategischen Entscheidungsparametern wie z.B. Marktanteilsgewinnung, regionale Expansion oder Markenbildung zu sehen. Chancen und strategische Grundsatzentscheidungen werden durch eine entsprechende Finanzplanung nicht verhindert, sondern unterstützt.

FAQ

Was ist ein Finanzplan einfach erklärt?
Der Finanzplan ist eine Zusammenfassung von Detailplanungen, welche die Ziele des Unternehmens finanziell abbildet. Die Finanzplanung ist somit wichtige Entscheidungsunterstützung und ein zentrales Prognose- und Maßnahmeninstrument.
Wie macht man eine Finanzplanung?
Die Finanzplanung beginnt mit der Festlegung finanzieller Ziele, gefolgt von der Analyse aktueller Finanzdaten. Ein Finanzplan wird erstellt, der Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele umfasst. Regelmäßige Überprüfungen und Anpassungen sind notwendig, um aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen.
Was beinhaltet die Finanzplanung?
Die Finanzplanung umfasst verschiedene Aspekte wie Umsatz-, Kosten-, Liquiditäts-, Investitions- und Finanzierungsplanung sowie die Bewertung von Finanzrisiken. Diese Elemente helfen dabei, die finanzielle Zukunft eines Unternehmens zu steuern und Risiken zu minimieren.
Wie geht man bei der Finanzplanung vor?
Die Finanzplanung folgt einem zyklischen Prozess, der mit der Festlegung einer Strategie beginnt. Darauf basierend wird das operative Vorgehen abgeleitet und Maßnahmen definiert, um die finanziellen Auswirkungen abzubilden. Anschließend werden verschiedene Szenarien entwickelt, die in die Entscheidungsfindung einfließen. Nach der Umsetzung erfolgt die Analyse von Soll-/Ist-Abweichungen, gefolgt von einer Anpassung der Maßnahmen bei Bedarf und einer regelmäßigen Überprüfung der Planungsprämissen und Strategien auf ihre Aktualität.