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Bilanzanalyse: Ein Schlüssel zum Unternehmenserfolg

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Über den Autor

Thorsten Ziehl

Thorsten Ziehl ist CFO bei FAIRFAMILY und ein erfahrener Manager sowie Unternehmensberater mit einem starken Hintergrund in Finanzen und strategischer Unternehmenssteuerung.

Die Bilanzanalyse ist ein unverzichtbares Werkzeug, um die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens zu bewerten und strategische Entscheidungen zu treffen. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über zentrale Größen, ihre Aussagekraft und die Möglichkeiten der Bilanzauswertung.

Die Bilanzanalyse ist ein unverzichtbares Werkzeug, um die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens zu sichern.

Definition und Ziele der Bilanzanalyse

Was ist eine Bilanzanalyse?
Die Bilanzanalyse ist die systematische Untersuchung des Jahresabschlusses eines Unternehmens, der aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung (GuV), Anhang und Lagebericht besteht. An dieser Stelle wird die Analyse der Bilanz näher betrachtet. Sie dient dazu, die finanzielle Situation des Unternehmens besser zu verstehen und zu bewerten.

Ziele einer Bilanzanalyse:

  • Strategische Entscheidungen treffen, Investitionspotenziale identifizieren und Kosteneinsparungsmöglichkeiten aufdecken
  • Schwachstellen und Risiken erkennen, beispielsweise potenzielle Liquiditätsengpässe
  • Zukunftsplanung unterstützen durch eine fundierte finanzielle und operative Steuerung schaffen
  • Maßnahmen identifizieren und umsetzen
  • Orientierung geben im Vergleich mit Dritten
  • Grundlage des unternehmensspezifischen Bonitätsmanagements

So gehst Du bei einer Bilanzanalyse professionell vor

Eine professionelle Bilanzanalyse verläuft in vier Schritten. Verschaffe Dir zunächst einen Überblick über die Bilanz, bevor Du sie über den Zeitverlauf vergleichst, eine Strukturierung vornimmst und schließlich Kennzahlen bildest.

Schritt 1: Erster Gesamtüberblick

Ein erster Überblick über die einzelnen Positionen der Aktiv- und Passivseite der Bilanz liefert Hinweise auf Auffälligkeiten. Beispiele hierfür sind:

  • Gestiegenes Fremdkapital
  • Veränderungen des Lagerbestandes
  • Anstieg des Bankbestandes
  • Entwicklung des Eigenkapitals
  • Vorgenommene Investitionen

Diese Hinweise geben entsprechende Anhaltspunkte für die Fokussierung auf eine tiefergehende Betrachtung der jeweiligen Positionen, um hier Ursachen und Gegenmaßnahmen zu definieren.

Schritt 2: Vergleiche über den Zeitverlauf

Die Entwicklung von Kennzahlen über mehrere Jahre hinweg zeigt Trends auf. Ein Beispiel: Der Forderungsbestand lag 2022 bei 5 Mio. Euro, 2023 bei 4,5 Mio. Euro und 2024 sogar bei 5,2 Mio. Euro. Hast Du derartige Trends erkannt, kannst Du Dir folgende Fragen stellen, um Deiner Bilanzanalyse ein Stück näher zu kommen:

  • Was sind die Ursachen dieser Entwicklung?
  • Wie verhalten sich im Zusammenhang mit den Forderungen stehende Positionen (in unserem Beispiel: Bankbestand, Umsatz in der G+V, …)
  • Was sind die Folgen (in unserem Beispiel: Gebundene Liquidität?)
  • Welche Details kann ich feststellen? (in unserem Beispiel: Wie sieht die Altersstruktur der Forderungen aus? Nehmen Überfälligkeiten zu?)
  • Welche Maßnahmen sind zu treffen? (in unserem Beispiel: Reduktion der Zahlungsziele zur Verbesserung des Cashflows)

Schritt 3: Strukturierung

Die Strukturierung ist ein wichtiger vorbereitender Schritt auf dem Weg zur Kennzahlenbildung. Hier erfolgt z.B. die Aufbereitung der Daten in langfristige und kurzfristige Vermögenswerte, die Fristigkeit der Verbindlichkeiten und andere Kategorien.

Beispiel

  • Verbindlichkeiten gesamt: 250.000 €
  • Davon kurzfristig 150.000 €
  • Liquide Mittel: 50.000 €

Hier ist sicherzustellen, dass die Positionen auf einheitlichen Definitionen und Inhalten basieren (z.B. EBIT), damit eine Vergleichbarkeit gewährleistet ist. Eine fehlende Vergleichbarkeit erschwert die Interpretation deutlich und erfordert unnötigen Erläuterungsaufwand. 

Schritt 4: Kennzahlenbildung

Das Gebiet der Kennzahlen ist sehr umfangreich und auf die jeweiligen Anforderungen des Unternehmens abzustimmen. Die Goldene Bilanzregel kann jedoch als generell gültig angesehen werden. Sie besagt, dass langfristiges Vermögen auch langfristig zu finanzieren und kurzfristiges Vermögen entsprechend kurzfristig zu finanzieren ist. 

Experten bezeichnen diese Bilanzregel auch als Grundsatz der Fristenkongruenz. Die Goldene Bilanzregel sorgt somit dafür, dass ein Unternehmen finanziell stabil bleibt, weil Vermögenswerte und Verbindlichkeiten zeitlich aufeinander abgestimmt sind. Die Kennzahlen Liquiditäts- und Anlagendeckungsgrad tragen dieser Regel Rechnung.

Neben diesem allgemeinen Grundsatz sind auch Branchen- und Best-Practice-Vergleiche hilfreich, um die eigene Positionierung besser einschätzen zu können. Hierzu gehören die Eigenkapitalquote, die Rentabilität, die Personalkostenquote, die Materialeinsatzquote etc., um nur einige zu nennen.

Die Analyse der wichtigsten Kennzahlen ist die Basis für eine gelungene Auswertung der Bilanzanalyse.<br />

Bilanzanalyse: Kennzahlen für die Auswertung der Bilanz

Um Deine Bilanzanalyse mit einer fachkundigen Auswertung zu komplettieren, solltest Du drei Hauptkennzahlen bereithalten und Berücksichtigen:

  • Eigenkapitalquote
  • Liquidität ersten, zweiten und dritten Grades
  • Anlagendeckung ersten und zweiten Grades

Eigenkapitalquote:

Formel: Eigenkapital / Bilanzsumme x 100
Richtwert: Sollte über 30 % liegen (variiert nach Branche/Geschäftsmodell)

Liquiditätsgrade:

1. Grad:

Formel: Liquide Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten x 100
Richtwert: ca. 10 – 30% (variiert nach Branche/Geschäftsmodell)

2. Grad:

Formel: (Liquide Mittel + Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten x 100
Richtwert: min. 100%

3. Grad:

Formel: Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten x 100
Richtwert: min. 120%

Anlagendeckungsgrad:

1. Grad:

Formel: Eigenkapitel / Anlagevermögen x 100
Richtwert: nahe 100%

2. Grad:

Formel: (Eigenkapitel + langfr. Fremdkapital) / Anlagevermögen x 100
Richtwert: über 100%

Fazit

Regelmäßige Bilanzanalysen sind essenziell, um finanzielle Risiken zu minimieren und Chancen zu erkennen. Unternehmen, die ihre Bilanz kontinuierlich analysieren, erzielen ein stabileres Wachstum und können ihr Bonitätsmanagement zielgerichtet vorantreiben. Auch die Entscheidungsqualität kann auf ein neues Level gehoben werden, da die Zielgrößen konzentriert zu optimieren sind.

Unsere Empfehlungen an Dich: Integriere die Bilanzanalyse fest in Deine Unternehmenssteuerung, etwa in die buchhalterischen monatlichen oder vierteljährlichen Abschlussroutinen. Nutze außerdem Excel-Vorlagen oder eine spezialisierte Software, um die Analyse effizient zu gestalten.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Bilanzanalyse

Welche Kennzahlen sind besonders wichtig für kleine Unternehmen?

Kleine Unternehmen sollten insbesondere die Eigenkapitalquote beobachten, um ihre finanzielle Stabilität zu bewerten. Die Liquiditätsgrade zeigen, ob kurzfristige Verbindlichkeiten gedeckt sind, während die Rentabilitätskennzahlen wie Umsatzrentabilität oder Gesamtkapitalrendite die Wirtschaftlichkeit des Betriebs messen. Diese Kennzahlen geben wertvolle Hinweise zur Finanzsituation und Entscheidungsfindung im Unternehmensalltag.

Wie oft sollte eine Bilanzanalyse durchgeführt werden?

Eine jährliche Bilanzanalyse ist das Minimum, doch vierteljährliche oder monatliche Analysen bieten eine bessere Kontrolle über die finanzielle Entwicklung. Regelmäßige Analysen helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen, Chancen zu nutzen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Besonders in dynamischen Branchen ist eine engmaschige Überwachung der Finanzen unverzichtbar.

Kann eine Bilanzanalyse mit Excel durchgeführt werden?

Ja, Excel eignet sich hervorragend für Bilanzanalysen, da individuelle Vorlagen und Formeln leicht angepasst werden können. Pivot-Tabellen und Diagramme bieten eine flexible Auswertung der Kennzahlen. Für größere Unternehmen oder komplexere Analysen können spezialisierte Tools wie DATEV oder SAP zusätzliche Automatisierung und Effizienz bringen.