Eine schlechte Führungskraft kostet ein mittelständisches Unternehmen mehr als jede fehlerhafte Maschine oder jede verlorene Ausschreibung. Sie kostet Vertrauen, Produktivität und Menschen. Führung erklärt bis zu 70 Prozent der Schwankung im Mitarbeiterengagement. Dennoch landet das Thema im Mittelstand selten auf dem Tisch des Geschäftsführers, solange die Zahlen noch stimmen. Dabei sind die Signale früh sichtbar: überdurchschnittlicher Krankenstand, stille Teams, Entscheidungen, die nach oben wandern statt unten getroffen zu werden. Dieser Artikel richtet sich nicht an betroffene Mitarbeitende, sondern an Dich als Unternehmer. Was passiert in Deinem System, wenn eine Führungskraft ihr Handwerk nicht beherrscht? Und was ist Deine Aufgabe als Architekt dieses Systems?
Was eine schlechte Führungskraft wirklich ist
Die meisten Beschreibungen schlechter Führung kreisen um Charakter. Der Chef ist arrogant. Die Abteilungsleiterin ist unempathisch. Der Teamleiter ist zu weich. Das klingt plausibel, erklärt aber wenig. Und es führt zu falschen Schlussfolgerungen.
Schlechte Führung ist kein Charakterproblem
Führung ist ein Handwerk. Wer als Fachkraft exzellent war, bringt damit noch lange keine Führungskompetenz mit. Wer nie gelernt hat, Aufgaben sauber zu delegieren, Erwartungen klar auszusprechen und Konsequenzen konsequent zu ziehen, wird schlechte Ergebnisse produzieren, egal wie gut er als Mensch ist.
Das ist keine Entschuldigung. Es ist eine Erklärung, die handlungsfähig macht. Denn ein Handwerk lässt sich lernen. Ein Charakter lässt sich schwer verändern.
Randolph Moreno Sommer beobachtet das seit Jahren in seiner Beratungspraxis: Der häufigste Führungsfehler liegt nicht im bösen Willen, sondern in fehlenden Werkzeugen. Wer nie gelernt hat, wie Delegation funktioniert, der delegiert falsch. Wer nie trainiert hat, wie man Forderungen von Wünschen unterscheidet, führt mit Wünschen. Das System leidet darunter, ohne dass irgendjemand böse Absichten hätte.
Die häufigsten Merkmale schlechter Führung im Überblick
Schlechte Führung zeigt sich nicht immer laut. Oft ist sie leise, schleichend, kaum greifbar. Typische Muster:
- Erwartungen werden nicht ausgesprochen, aber vorausgesetzt
- Aufgaben werden übergeben, aber nicht klar definiert
- Feedback kommt entweder gar nicht oder im falschen Moment
- Verantwortung wird nicht übertragen, sondern behalten oder nach oben delegiert
- Probleme im Team werden ignoriert, bis sie eskalieren
Keines dieser Muster ist für sich genommen dramatisch. Zusammen ergeben sie ein System, das sich selbst blockiert. Das Team arbeitet, aber mit angezogener Handbremse. Die Führungskraft arbeitet, aber am falschen Hebel. Der Geschäftsführer merkt es zuerst an den Zahlen, dann an der Stimmung, dann an der Fluktuation.
Ein Logistikunternehmen mit 110 Mitarbeitenden hatte über zwei Jahre eine Fluktuationsrate von über 30 Prozent in einer Abteilung. Die Geschäftsführerin schrieb das dem Arbeitsmarkt zu. Als sie genauer hinsah, stellte sie fest: Alle Kündigungen kamen aus derselben Schicht, mit demselben Vorgesetzten. Nicht der Markt hatte ein Problem. Die Führungskraft hatte eines.
Führung ist ein Handwerk. Lernbar, nicht angeboren.
Die sieben teuersten Führungsfehler im Mittelstand
Führungsfehler kosten Geld. Nicht abstrakt, sondern konkret: in Krankenstandstagen, Fluktuationskosten, verlorener Produktivität und schlechten Entscheidungen. Die folgenden sieben Fehler sind im Mittelstand am häufigsten und am teuersten.
- Mikromanagement: Die Führungskraft kontrolliert jeden Schritt und verhindert damit, dass das Team eigenständig arbeiten kann.
- Fehlendes Feedback: Mitarbeitende wissen nicht, wo sie stehen. Lob bleibt aus. Kritik kommt zu spät oder destruktiv.
- Delegation ohne Konsequenzen: Aufgaben werden übergeben, aber weder klar definiert noch nachverfolgt.
- Unklare Erwartungen: Die Führungskraft hat Erwartungen, spricht sie aber als Wunsch aus statt als Forderung.
- Fehlende Wertschätzung: Gute Leistung wird stillschweigend als selbstverständlich behandelt.
- Führung durch Angst: Druck, Drohungen und Unsicherheit als Steuerungsmittel zerstören Vertrauen langfristig.
- Keine Teamentwicklung: Die Führungskraft investiert nicht in die Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden und verhindert damit Wachstum.
Mikromanagement: Wenn Kontrolle das Vertrauen frisst
Ein Produktionsleiter in einem Metallbetrieb mit 90 Mitarbeitenden genehmigt jeden Bestellvorgang persönlich, auch wenn es um Verbrauchsmaterial im Wert von zwanzig Euro geht. Er ist täglich zwölf Stunden im Werk. Sein Team fragt ihn bei jeder Kleinigkeit. Er fühlt sich unentbehrlich. In Wirklichkeit hat er ein Team erzogen, das keine Entscheidungen mehr trifft.
Mikromanagement ist kein Zeichen von Sorgfalt. Es ist ein Zeichen von fehlendem Vertrauen in das eigene System. Die Folge ist ein Team, das aufhört, mitzudenken. Eigeninitiative stirbt. Fehler, die früher das Team selbst gelöst hätte, landen auf dem Schreibtisch der Führungskraft. Die Führungskraft wird zum Engpass.
Systemisch betrachtet verletzt Mikromanagement das sechste Systemgesetz: Höhere Kompetenz hat Vorrang. Wer seiner Fachkraft nicht traut, senkt faktisch deren Kompetenzebene im System auf null. Das Signal lautet: Dein Urteil zählt hier nicht.
Kein Feedback, keine Orientierung
Mitarbeitende brauchen Rückmeldung, um zu wissen, ob sie auf Kurs sind. Bleibt Feedback aus, füllen sie die Lücke selbst, oft mit falschen Annahmen. Wer nie hört, dass er gute Arbeit macht, nimmt irgendwann an, es fällt niemandem auf. Wer nie hört, dass etwas nicht stimmt, korrigiert es nicht.
Fehlendes Feedback verletzt das zweite Systemgesetz: Wertschätzung und Respekt. Anerkennung ist kein nettes Extra. Sie ist ein Grundbedürfnis, das, wenn es dauerhaft ignoriert wird, zur inneren Kündigung führt.
Delegation ohne Konsequenzen
Delegation bedeutet nicht, eine Aufgabe loszuwerden. Delegation bedeutet, eine Aufgabe mit klarer Verantwortung, klarer Kompetenz und einer klaren Erwartung zu übergeben und anschließend zu überprüfen, ob sie erfüllt wurde.
Wer delegiert, ohne nachzufassen, schafft Verantwortungslücken. Das Team lernt: Es hat keine Konsequenz, wenn etwas nicht erledigt wird. Der nächste Schritt ist das Hochdelegieren: Mitarbeitende tragen Entscheidungen zurück nach oben, weil sie gelernt haben, dass Eigenverantwortung nicht gefordert wird.
Unklare Erwartungen als Dauerproblem
Der größte Führungsfehler überhaupt, so Randolph Moreno Sommer aus seiner Beratungspraxis, ist das Nichtaussprechen von Erwartungen. Eine Führungskraft hat eine Vorstellung davon, wie etwas erledigt werden soll. Sie spricht diese Vorstellung nicht aus. Der Mitarbeitende erledigt die Aufgabe anders. Die Führungskraft ist frustriert, sagt aber nichts. Das Muster wiederholt sich.
Der zweite häufige Fehler: Die Erwartung wird ausgesprochen, aber als Wunsch formuliert. „Wäre schön, wenn das bis Freitag fertig wäre.“ Das ist kein Auftrag. Das ist eine Einladung zur freien Interpretation. Eine Forderung klingt anders: „Ich brauche das bis Freitag, zwölf Uhr.“
Fehlende Wertschätzung und ihre systemische Wirkung
Laut Gallup-Engagement-Index waren 2024 nur noch 9 Prozent der deutschen Arbeitnehmenden hochemotional an ihren Arbeitgeber gebunden. Das ist ein historischer Tiefstand. Eine der Hauptursachen ist fehlende Wertschätzung durch direkte Vorgesetzte.
Wertschätzung kostet kein Geld. Sie kostet Aufmerksamkeit. Eine kurze Rückmeldung nach einem abgeschlossenen Projekt. Ein klares Danke nach einem langen Einsatz. Das Benennen guter Leistung vor dem Team. Wer das systematisch unterlässt, verletzt das erste Systemgesetz: Zugehörigkeit und Anerkennung. Mitarbeitende, die sich nicht gesehen fühlen, suchen sich einen Arbeitgeber, der sie sieht.
Führung durch Angst statt durch Klarheit
Manche Führungskräfte erzeugen Druck durch Drohungen, durch unprediktables Verhalten oder durch das gezielte Erzeugen von Unsicherheit. Kurzfristig funktioniert das manchmal. Mittelfristig zerstört es das Vertrauen vollständig.
Wer Angst als Steuerungsmittel einsetzt, verletzt das dritte Systemgesetz: Gleichgewicht von Geben und Nehmen. Das Team gibt Leistung, aber bekommt dafür keine Sicherheit zurück, nur Bedrohung. Das ist kein Gleichgewicht. Es ist Ausbeutung. Die Konsequenz ist innere Kündigung oder offene Fluktuation.
Keine Teamentwicklung
Eine Führungskraft, die nicht in die Fähigkeiten ihres Teams investiert, arbeitet auf Verschleiß. Sie verbraucht, was vorhanden ist, ohne es aufzufüllen. Mitarbeitende, die sich nicht weiterentwickeln können, suchen Unternehmen, die ihnen das ermöglichen. Gleichzeitig sinkt die Gesamtkompetenz des Teams, weil niemand neue Fähigkeiten einbringt.
Im Mittelstand ist das besonders folgenreich: Wenn ein Leistungsträger geht, weil er sich nicht gefördert sieht, geht mit ihm Wissen, das oft nicht dokumentiert ist und jahrelang aufgebaut wurde.
Was schlechte Führung im Unternehmen auslöst
Die Konsequenzen schlechter Führung sind selten sofort sichtbar. Sie bauen sich auf. Zuerst verliert das Team die Motivation. Dann sinkt die Qualität der Arbeit. Dann steigen die Fehlzeiten. Dann kündigt jemand. Oft ist das der erste Moment, in dem der Geschäftsführer aufmerkt.
Innere Kündigung: Der unsichtbare Produktivitätsverlust
Innere Kündigung bedeutet: Ein Mitarbeitender arbeitet noch, hat aber aufgehört, sich für das Unternehmen zu engagieren. Er erledigt, was verlangt wird. Nicht mehr und nicht weniger. Keine Initiative. Keine Ideen. Kein Einsatz über das Minimum hinaus.
Laut Gallup-Engagement-Index von 2024 arbeiten rund 68 Prozent der deutschen Beschäftigten in diesem Zustand. Sie kosten das Unternehmen ihre volle Kapazität, bringen aber nur einen Teil davon. Der Rest ist verschwendetes Potenzial.
Das Tückische: Die innere Kündigung ist unsichtbar. Wer auf dem Papier anwesend ist, zählt als Kapazität. In Wirklichkeit fehlt der Einsatz. Diese Lücke zeigt sich erst, wenn jemand kündigt und plötzlich klar wird, wie viel die Person eigentlich geleistet hatte.
Fluktuation und ihre echten Kosten
Wenn ein Mitarbeitender kündigt, ist die sichtbare Reaktion oft: Ärger über das Timing, Aufwand für die Nachbesetzung. Die tatsächliche Rechnung sieht größer aus. Pro Kündigung entstehen laut Erfahrungswerten aus der Beratungspraxis Kosten zwischen 50 und 150 Prozent des Jahresgehalts der ausgeschiedenen Person, abhängig von Stelle und Einarbeitungsdauer.
Dazu kommt der Produktivitätsausfall während der Vakanz. Ein Mitarbeitender, der Spezialwissen mitbringt, produziert in seiner Anlernzeit nicht das, was er produzieren könnte. Rechne: Wer 800 Euro am Tag an Wertschöpfung erbringt und drei Monate braucht, bis er die Stelle vollständig ausfüllt, kostet das Unternehmen allein in der Anlernphase rund 50.000 Euro an entgangener Wertschöpfung.
Schlechte Führung ist der häufigste Kündigungsgrund. Nicht das Gehalt, nicht die Arbeitszeiten. Die Führungskraft.
Krankenstand als Führungskennzahl
Krankheitstage sind kein reines Gesundheitsthema. Sie sind ein Führungsthema. Eine Erhebung aus der Beratungspraxis von FAIRFAMILY zeigt: Ein Handwerksbetrieb mit rund 100 Mitarbeitenden hatte 360 Krankheitstage in einem Jahr. Die damit verbundenen Kosten beliefen sich auf über 400.000 Euro.
Wer seinen Krankenstand nur als Personalkostenposten betrachtet, übersieht den systemischen Zusammenhang: Schlechte Führung erzeugt Stress. Stress erzeugt Fehlzeiten. Faustregel: Ein Prozent weniger Arbeitsunfähigkeitsquote spart bei einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitenden rund 1.250 Euro im Jahr. Hochgerechnet auf dauerhaft schlechte Führung sind das erhebliche Summen, die still im System versickern.
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Warum schlechte Führungskräfte in Führungspositionen gelangen
Das ist keine bösartige Entscheidung. Es ist ein systemisches Muster, das in fast jedem Mittelstandsunternehmen vorkommt.
Der beste Fachmann wird Abteilungsleiter
Die beste Monteuse in der Produktion wird Schichtleiterin. Der beste Verkäufer wird Vertriebsleiter. Das ist nachvollziehbar: Die Person kennt das Geschäft, hat Vertrauen aufgebaut und ist fachlich unbestreitbar kompetent.
Fachkompetenz und Führungskompetenz sind aber zwei unterschiedliche Dinge. Wer exzellent bohrt, muss nicht wissen, wie er einem Team erklärt, warum Pünktlichkeit im Schichtbetrieb kein Wunsch ist, sondern eine Forderung mit Konsequenzen. Wer das beste Verkäufer-Gespür hat, muss noch lange nicht verstehen, wie man Erwartungen delegiert und Ergebnisse nachverfolgt.
Das Ergebnis: Die Person sitzt in einer Führungsrolle, für die sie nie ausgebildet wurde. Sie führt so, wie sie selbst geführt wurde, oder so, wie es ihr gerade richtig erscheint. Beides ist keine solide Grundlage.
Führung ist ein Handwerk, das gelernt werden muss
Beim Militär gibt es dafür eine klare Regelung. Als Randolph Moreno Sommer als Offizier ausgebildet wurde, gab es ein eigenes Regelwerk für erzieherische Maßnahmen, für das Führen von Gesprächen, für das Setzen und Durchsetzen von Forderungen. Das war kein weicher Soft-Skill-Kurs. Das war handwerkliche Ausbildung im Führen von Menschen.
Im zivilen Mittelstand fehlt das oft vollständig. Führungskräfte werden ernannt, bekommen vielleicht ein Seminar und sollen dann funktionieren. Das ist, als würde man jemanden ohne Ausbildung ans Steuer setzen und ihm sagen: Du hast doch gutes räumliches Vorstellungsvermögen, das reicht.
Führung braucht konkrete Werkzeuge: Wie delegiere ich richtig? Wie gebe ich Feedback, das ankommt? Wie spreche ich Konsequenzen aus, ohne zu drohen? Wie führe ich ein schwieriges Gespräch? Diese Fähigkeiten sind lernbar. Aber sie müssen gelernt werden.
Was Systemgesetze mit Führungsversagen zu tun haben
Hinter vielen Führungsfehlern steckt die Verletzung systemischer Grundprinzipien. Wenn eine Führungskraft ihre Mitarbeitenden nicht anerkennt, verletzt sie das Systemgesetz der Zugehörigkeit und Wertschätzung. Wenn sie Verantwortung nicht klar überträgt, verletzt sie das Systemgesetz der Ordnung: Wer hat welche Rolle, wer trägt welche Verantwortung?
Diese Verletzungen erzeugen keine sofortige Krise. Sie erzeugen Reibung, Unmut und schleichenden Rückzug. Das Team spürt, dass etwas nicht stimmt, kann es aber oft nicht benennen. Die Führungskraft spürt, dass etwas nicht stimmt, sucht die Ursache aber meist bei den Mitarbeitenden statt bei sich selbst.
Die folgende Tabelle zeigt, welche Systemgesetze durch typische Führungsfehler verletzt werden und welche Wirkung das auf das Team hat:
Was Du als Geschäftsführer konkret tun kannst
Als Geschäftsführer bist Du der Architekt des Systems. Du entscheidest, wer führt, wie geführt wird und welche Strukturen das ermöglichen oder verhindern. Das ist keine Frage des Mikromanagements, sondern des Rahmens. Schlechte Führung in Deinem Unternehmen ist auch ein Signal an Dich: Welche Strukturen fehlen, damit Führung hier gut funktionieren kann?
Den Führungsrahmen setzen
Führung braucht Klarheit darüber, was erwartet wird. Nicht nur von Mitarbeitenden, sondern auch von Führungskräften. Was bedeutet Führung in diesem Unternehmen? Wie sieht ein guter Delegationsprozess aus? Welche Kennzahlen zeigen mir, dass eine Führungskraft gut führt?
Ohne diesen Rahmen führt jede Führungskraft nach eigenem Ermessen. Das kann gut gehen. Es kann aber auch vollständig schiefgehen, ohne dass irgendjemand es bemerkt, bis die ersten Kündigungen kommen.
Konkret bedeutet das: Führe regelmäßige Gespräche mit Deinen Führungskräften, nicht nur über Zahlen, sondern über Führungsverhalten. Gibt es im Team ungelöste Konflikte? Wie läuft die Übergabe bei Schichtwechsel? Wissen alle Mitarbeitenden, was von ihnen erwartet wird?
Konsequenzenmanagement einführen
Eine der wirksamsten Maßnahmen ist einfach und wird trotzdem oft vernachlässigt: Erwartungen klar aussprechen und Konsequenzen benennen, wenn sie nicht erfüllt werden. Das gilt für Dich als Geschäftsführer gegenüber Deinen Führungskräften genauso wie für Deine Führungskräfte gegenüber ihren Teams.
Konsequenzen müssen keine Strafen sein. Natürliche Konsequenzen sind oft wirkungsvoller: Wenn die Schüchtberichterstattung nicht pünktlich kommt, verzögert sich die Produktionsplanung um einen halben Tag. Wenn das Team diese Zusammenhänge versteht, verändert sich das Verhalten, ohne dass jemand drohen muss.
Ausgedachte Konsequenzen, also bewusste Maßnahmen der Führungskraft, kommen dann ins Spiel, wenn die natürlichen Konsequenzen nicht ausreichen. Auch das ist kein Werkzeug der Bestrafung, sondern der Klarheit.
Führungskräfte entwickeln statt wechseln
Die reflexartige Reaktion auf eine schlechte Führungskraft ist oft: Trennung. Das kann richtig sein. Häufig ist es aber teurer als die Alternative: gezielte Entwicklung.
Wer als Fachkraft in eine Führungsrolle gewachsen ist, hat in der Regel den Willen, gut zu führen. Was fehlt, sind Werkzeuge. Ein strukturiertes Führungstraining, regelmäßiges Coaching und klare Erwartungen an das Führungsverhalten können eine Führungskraft grundlegend verändern. Voraussetzung ist, dass die Person bereit ist, sich zu entwickeln, und dass Du als Geschäftsführer den Rahmen dafür schaffst.
Wer erst dann in Führungsentwicklung investiert, wenn die Kündigung auf dem Tisch liegt, investiert zu spät. Führungsentwicklung ist keine Krisenmaßnahme. Sie ist eine Investition in die Substanz Deines Unternehmens, genau wie der Kauf einer neuen Maschine oder die Einführung eines neuen Produktionsprozesses. Mit dem Unterschied, dass die Wirkung nicht auf der Bilanz sichtbar ist, sondern im Engagement Deiner Belegschaft.
Du bist der Architekt des Systems. Hier sind Deine Werkzeuge.
Fazit: Was schlechte Führung über das System verrät
Eine schlechte Führungskraft ist fast nie das eigentliche Problem. Sie ist ein Symptom. Sie zeigt, dass im System etwas fehlt: ein klarer Führungsrahmen, eine strukturierte Ausbildung, regelmäßige Rückmeldung an Führungskräfte über ihr Führungsverhalten.
Als Geschäftsführer bist Du nicht dafür verantwortlich, jede Führungskraft persönlich zu entwickeln. Du bist dafür verantwortlich, die Strukturen zu schaffen, in denen gute Führung möglich ist. Das ist der Unterschied zwischen einem Unternehmer, der operativ feuert, und einem, der sein System baut.
Führung erklärt bis zu 70 Prozent der Schwankung im Mitarbeiterengagement. Das bedeutet umgekehrt: Kein Employer-Branding-Konzept, keine Gehaltserhöhung und kein Teambuildingtag werden diese Lücke schließen, wenn die Führung nicht stimmt.
Wer das versteht, hört auf, schlechte Führung als Einzelproblem zu behandeln. Er beginnt, sie als Systemsignal zu lesen. Und handelt entsprechend.
FAQ: Häufige Fragen zur schlechten Führungskraft
Was sind die häufigsten Anzeichen einer schlechten Führungskraft?
Die häufigsten Anzeichen sind Mikromanagement statt Vertrauen, fehlendes oder destruktives Feedback, unklare Erwartungen, fehlende Wertschätzung und die Unfähigkeit, Verantwortung sauber zu übertragen. Viele dieser Muster entstehen nicht aus bösem Willen, sondern aus fehlendem Führungshandwerk. Eine schlechte Führungskraft führt häufig so, wie sie selbst geführt wurde, ohne je reflektiert zu haben, ob das wirksam ist.
Was kostet eine schlechte Führungskraft ein Unternehmen?
Die Kosten entstehen an mehreren Stellen gleichzeitig. Jede Kündigung, die auf schlechte Führung zurückgeht, kostet 50 bis 150 Prozent des Jahresgehalts der ausgeschiedenen Person. Dazu kommen Produktivitätsverluste durch innere Kündigung, erhöhte Krankenstände und der Verlust von Erfahrungswissen. Bei einem mittelständischen Betrieb mit 80 Mitarbeitenden können schlechte Führungskräfte in einer einzigen Abteilung leicht sechsstellige Schäden pro Jahr verursachen, ohne dass das je direkt sichtbar wird.
Wie erkenne ich als Geschäftsführer, dass meine Führungskräfte schlecht führen?
Die frühen Signale sind: überdurchschnittliche Fluktuation in einzelnen Abteilungen, auffällige Unterschiede im Krankenstand zwischen Teams, häufiges Hochdelegieren von Entscheidungen an Dich, Konflikte, die nicht auf Teamebene gelöst werden, und fehlende Eigeninitiative im Team. Wer regelmäßig mit seinen Führungskräften über Führungsverhalten spricht statt nur über Zahlen, erkennt diese Signale früher.
Kann eine schlechte Führungskraft besser werden?
Ja, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Die Führungskraft ist bereit, ihr Verhalten zu reflektieren und zu verändern. Und das Unternehmen bietet den Rahmen dafür. Gezielte Führungsentwicklung, Coaching und klares Feedback an Führungskräfte über ihr eigenes Führungsverhalten können erhebliche Veränderungen bewirken. Wer davon ausgeht, dass Charakter sich nicht ändert, hat recht. Wer davon ausgeht, dass Handwerk erlernbar ist, liegt ebenfalls richtig.
Wann sollte eine Führungskraft ersetzt werden?
Eine Trennung ist dann angemessen, wenn die Führungskraft trotz klarer Rückmeldung, konkreter Unterstützung und ausreichend Zeit keine erkennbare Entwicklung zeigt, oder wenn das Verhalten nachweislich das System schädigt: durch anhaltend hohe Fluktuation, toxisches Klima oder systematische Verletzung von Führungsprinzipien. Eine Trennung sollte das letzte Mittel sein, nicht das erste. Wer Führungskräfte entwickelt, bevor Probleme entstehen, muss seltener trennen.
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