Verantwortung abgeben, ohne die Kontrolle zu verlieren
Live-Webinar · Kostenlos
·
📍 Online · Live aus Hamburg
·
💬 Deine Fragen direkt an Randolph
Jetzt eintragen für das LIVE-Webinar!
Dauer: 90 Minuten inkl. Q&A
Neueste Beiträge
Kindergartenzuschuss steuerfrei vom Arbeitgeber
Im 7 Tipps und 17 Benefits Report siehst Du, welche steuerfreien Benefits Mitarbeitende wirklich nutzen und wie Du sie ohne hohen Verwaltungsaufwand einführst. Aus über 5.000 Beratungen im Mittelstand.[dmpro_popup popup_id="download-formular"...
Cafeteria-System: Definition, Funktionsweise und Vorteile im Überblick
Über 95 % der mittelständischen Unternehmen lassen steuerfreie Fördergelder verfallen. Im 7 Tipps und 17 Benefits Report lernst Du, welche 17 Leistungen Deine Mitarbeitenden dauerhaft nutzen und wie Du als Arbeitgeber dabei Lohnkosten sparst.[dmpro_popup...
Fluktuationsrate berechnen: Formeln, Beispiele und Benchmarks
Eine Kündigung kostet im Schnitt 50 bis 150 Prozent eines Jahresgehalts, oft unbemerkt. Im Personalkennzahlen Report 2025 zeigen wir Dir die 7 wichtigsten Kennzahlen, um Personalkosten messbar zu machen.[dmpro_popup popup_id="download-formular"...
Arbeitsmotivation: Was sie trägt, was sie zerstört und was Du als Geschäftsführer damit zu tun hast
Gallup zeigt: Führungsqualität erklärt bis zu 70 Prozent des Mitarbeiterengagements. Im kostenlosen Live Webinar Führung lernst Du, wie Du Klarheit, Verantwortung und Anerkennung im Alltag konkret einsetzt. Über 10.000 Geschäftsführer haben bereits...
Gehaltsumwandlung: Definition, Formen und was Arbeitgeber wirklich beachten müssen
Mehr als 20 Lebensbereiche sind in Deutschland steuerlich gefördert. Über 95 % der Unternehmen nutzen sie nicht. Im 7 Tipps und 17 Benefits Report siehst Du, welche Leistungen bei Deiner Belegschaft wirklich ankommen und wie Du sie verwaltungsarm...
Über den Autor
Randolph Moreno Sommer
Das Harzburger Modell ist ein Führungskonzept aus den 1950er Jahren, das auf einem einfachen Gedanken gründet: Mitarbeiter sind eigenständig denkende Menschen, keine Befehlsempfänger. Reinhard Höhn entwickelte dieses Modell 1954 an der Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft in Bad Harzburg und lehrte es dort ab 1956. Der Kern ist die Führung durch Delegation: Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung werden auf die niedrigste geeignete Ebene übertragen. Der Vorgesetzte wird zum Koordinator und Kontrolleur, nicht zum Anweiser. Das Modell war populär bis etwa 1972, dann verdrängte es die Kritik an seiner Starrheit. Heute gilt es als historisch bedeutsam, aber zu bürokratisch. Dennoch bleiben die Kerngedanken zur Eigenverantwortung und zum Vertrauen zeitlos – wenn man weiß, wie man sie richtig nutzt.
- Was ist das Harzburger Modell? Definition und historischer Kontext
- Wie funktioniert das Harzburger Modell? Mechanik und Instrumente
- Die Systemgesetze-Perspektive: Wo das Modell trägt – und wo es bricht
- Vorteile: Wann das Harzburger Modell trägt
- Kritik und Grenzen: Wo das Modell versagt
- Das Harzburger Modell heute: Historische Bedeutung und moderne Adaptionen
- Fazit
- FAQ
Was ist das Harzburger Modell? Definition und historischer Kontext
Das Harzburger Modell war eine Reaktion auf einen bestimmten Moment der deutschen Geschichte. Nach dem Krieg mussten Unternehmen aufgebaut werden. Die alte Form der Führung – Befehl und Gehorsam – passte nicht in die neue Zeit. Reinhard Höhn, ein Staats- und Verwaltungsrechtler, entwickelte ein System, das autoritäre Führung ablehnen sollte. Stattdessen sollte der Mitarbeiter als Individuum gelten, dem man Aufgaben übertragen konnte, die er eigenverantwortlich ausführte. Das war revolutionär für die 1950er Jahre.
Kerngedanke: Führung im Mitarbeiterverhältnis
Der Begriff „Führung im Mitarbeiterverhältnis“ ist der Originalname des Modells. Damit war gemeint: Der Vorgesetzte führt nicht durch Befehl, sondern durch klare Absprache mit dem Mitarbeiter. Der Mitarbeiter ist nicht untergeordnet, sondern ein Partner mit definierten Aufgaben und Kompetenzen. Diese Partnerschaftslogik war damals neu. Heute würde man sagen: Der Vorgesetzte schafft Raum, der Mitarbeiter nutzt diesen Raum. Der Fokus liegt nicht auf Anweisungen im Einzelnen, sondern auf Ergebnisse.
Reinhard Höhn und die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft
Höhn gründete 1956 die Akademie in Bad Harzburg. Dort wurden Führungskräfte aus Wirtschaft, Verwaltung und Militär ausgebildet. Wer den Kurs absolvierte, erhielt das „Harzburger Diplom“. Etwa 600.000 Führungs- und Nachwuchskräfte wurden hier zwischen 1956 und 2000 ausgebildet. Das Modell verbreitete sich schnell in deutschen Unternehmen. Es galt als hochmodern und wissenschaftlich fundiert. Die Akademie wurde zum Zentrum des deutschen Management-Denkens in dieser Zeit.
Die drei Kernprinzipien
Das Harzburger Modell ruht auf drei Säulen. Das erste ist Management by Delegation: Aufgaben und Verantwortung werden konsequent delegiert. Das zweite ist Management by Objectives, kurz MbO: Es werden Ziele gesetzt, die Mitarbeiter bestimmen den Weg. Das dritte ist Management by Exception: Der Vorgesetzte greift nur ein, wenn etwas schiefgeht oder vom Plan abweicht. Im Regelfall lässt er den Mitarbeiter machen.
Eine gute Idee, die an ihrer Umsetzung scheiterte
Ich sehe das Harzburger Modell als frühen Versuch, Mitarbeitenden echte Verantwortung zu geben, statt sie nur Befehle ausführen zu lassen. Genau diese Idee treibt mich bis heute an, nur eben mit einem System, das im Alltag wirklich trägt. Bring Deine Frage dazu gerne live ins Webinar mit, ich beantworte sie Dir persönlich.
Live-Webinar · Kostenlos
·
📍 Online · Live aus Hamburg
·
💬 Deine Fragen direkt an Randolph
Wie funktioniert das Harzburger Modell? Mechanik und Instrumente
Ein Modell ist nur so gut wie seine Umsetzung. Das Harzburger Modell hatte konkrete Werkzeuge. Diese Werkzeuge waren sehr formalisiert. Genau das sollte später zum Problem werden. Aber erst einmal zum Funktionieren.
Stellenbeschreibung: Die Grenzziehung
Das Herzstück ist die Stellenbeschreibung. In ihr wird exakt festgehalten: Welche Aufgaben hat dieser Mitarbeiter? Welche Entscheidungen darf er treffen? Wo endet seine Kompetenz? Diese Klarheit sollte Freiheit ermöglichen. Der Mitarbeiter weiß genau, was er tun muss und wo die Grenzen sind. Innerhalb dieser Grenzen hat er Handlungsfreiheit. Das ist logisch: Wer die Regeln des Spiels kennt, kann das Spiel spielen.
Führungsgrundsätze und Führungsanweisung
Zusätzlich gibt es Führungsgrundsätze. Das sind allgemeine Verhaltensrichtlinien für Vorgesetzte. Wie sollen Chefs miteinander sprechen? Wer darf was entscheiden? Was ist der Dienstweg? Höhn schrieb ein Regelwerk mit über 300 Einzelregeln auf. Diese Regeln sollten Klarheit schaffen. Sie schufen aber auch Bürokratie. Der Gedanke war: Wenn alle sich an die Regeln halten, läuft das System reibungslos.
Kontrolle statt Anweisung: Die Rolle des Vorgesetzten
Der Vorgesetzte ist kein Befehlshaber mehr. Er ist Koordinator und Kontrolleur. Das heißt praktisch: Er beobachtet, ob der Mitarbeiter die Ziele erreicht. Wenn alles läuft, bleibt der Chef im Hintergrund. Nur wenn Probleme entstehen, agiert er. Das nennt sich Management by Exception. Diese Zurückhaltung sollte Vertrauen ausdrücken. Der Chef sagt damit: Ich traue Dir zu, Deine Aufgabe zu lösen.
Subsidiaritätsprinzip: Die „richtige“ Ebene
Das Modell basiert auf einem alten Gedanken: der Subsidiarität. Das bedeutet: Aufgaben werden auf der niedrigsten Ebene gelöst, die dazu fähig ist. Die nächst höhere Ebene greift nur ein, wenn die untere Ebene überfordert ist. Das ist eine Bottom-up-Logik. Sie sollte Entscheidungen schneller und näher am Problem machen. Statt alles nach oben zu eskalieren, löst jede Ebene ihre Aufgaben selbst.
Die Systemgesetze-Perspektive: Wo das Modell trägt und wo es bricht
Das Harzburger Modell versucht, ein System zu schaffen, in dem Menschen eigenverantwortlich arbeiten. Das klingt vernünftig. Aber wenn man es durch die Linse der Systemgesetze nach Dr. Dieter Bischop betrachtet, zeigen sich schnell Risse. Die Systemgesetze beschreiben grundlegende zwischenmenschliche Bedürfnisse, die in jedem System wirken. Wenn diese Gesetze verletzt werden, entstehen Konflikte, Demotivation, innere Kündigung. Das Harzburger Modell hat diese Gesetze an manchen Stellen verletzt.
Systemgesetz 1 und 2: Zugehörigkeit und Anerkennung
Das erste Systemgesetz ist Zugehörigkeit. Jeder, der Teil eines Systems ist, braucht das Gefühl, dazuzugehören. Nicht ausgegrenzt zu sein. Das zweite ist Anerkennung und Wertschätzung. Der Mitarbeiter muss als Mensch anerkannt werden, unabhängig von seiner Leistung. Anerkennung ist bedingungslos. Respekt muss verdient werden, aber Anerkennung nicht.
Das Harzburger Modell wollte diesen Gesetzen entsprechen. Ein Mitarbeiter mit Eigenverantwortung sollte sich anerkannt fühlen. Schließlich vertraut ihm der Chef die Aufgabe an. Das funktioniert. Aber es funktioniert nur, wenn die emotionale Seite stimmt. Eine Szene aus der Praxis zeigt das Problem:
Szenario: Ein Schichtleiter in einem Fertigungsbetrieb erhält eine klare Aufgabe: Die Ausfallquote in seiner Schicht senken. Die Stellenbeschreibung ist präzise. Der Chef delegiert und zieht sich zurück. Der Schichtleiter arbeitet drei Wochen hart. Dann tritt ein unerwartetes Problem auf: Eine Maschine fällt aus. Der Schichtleiter versucht, das zu lösen. Der Chef ist unerreichbar. Die Quote steigt. Am Freitag wird der Schichtleiter vom Chef kritisiert. Der Chef sagt: „Du hattest die Aufgabe. Du bist verantwortlich.“ Das ist formal korrekt. Emotional ist es ein Schlag ins Gesicht. Der Schichtleiter fühlt sich alleingelassen. Die Anerkennung für seine Anstrengung bleibt aus. Das erste Systemgesetz wird verletzt: Der Schichtleiter fühlt sich isoliert. Das zweite wird verletzt: Er erhält keine Anerkennung für seinen Einsatz, nur Kritik für das Ergebnis.
Dieses Szenario spielt sich in vielen Unternehmen ab, die das Harzburger Modell anwenden. Der formale Rahmen ist perfekt. Die emotionale Unterstützung fehlt.
Systemgesetz 3: Gleichgewicht von Geben und Nehmen
Das dritte Systemgesetz regelt das Verhältnis von Geben und Nehmen. Ein Mitarbeiter braucht ein Gefühl von Fairness. Wenn er viel gibt (Leistung, Engagement, Arbeitskraft), muss er auch etwas zurückbekommen. Das kann Anerkennung sein, Gehalt, Entwicklung, Vertrauen. Wenn der Mitarbeiter viel gibt, aber nur Kritik bekommt, entstehen Spannungen.
Das Harzburger Modell verlangt von Mitarbeitern, dass sie viel Verantwortung übernehmen. Das ist Geben. Was bekommen sie zurück? Das Modell sieht vor, dass der Vorgesetzte „nur eingreift, wenn nötig“. Das bedeutet häufig: Der Chef ist präsent, wenn es Probleme gibt. Er ist abwesend, wenn der Mitarbeiter Erfolg hat. Das schafft ein Ungleichgewicht. Der Mitarbeiter investiert, der Chef profitiert vom Erfolg, kommt aber nicht in die schwierige Arbeit hinein. Das wirkt wie: „Du machst die Arbeit, ich kontrolliere Dich.“ Das ist kein Gleichgewicht.
Systemgesetz 5: Höhere Verantwortung hat Vorrang
Das fünfte Systemgesetz besagt: Wer mehr Verantwortung trägt, hat einen höheren Platz im System. Das ist natürlich. Ein Vorgesetzter trägt mehr Verantwortung als ein Mitarbeiter. Das ist nicht ungerecht, solange die Ordnung anerkannt wird. Der Mitarbeiter muss die Führungsverantwortung des Chefs anerkennen.
Das Harzburger Modell delegiert Aufgaben und Verantwortung. Das ist gut. Aber es klärte nicht immer: Wer trägt die Gesamtverantwortung? Die Antwort war formal klar. Der Vorgesetzte. Aber wenn der Vorgesetzte selten präsent ist, wenn er nur eingreift, wenn es Probleme gibt, dann ist unklar, wer wirklich verantwortlich ist. Der Mitarbeiter trägt die tägliche Last. Der Chef trägt die formale Verantwortung. Das ist eine Quelle von Konflikten. Ein Mitarbeiter kann sagen: „Ich mache die Arbeit, aber der Chef trägt die Verantwortung und den Ruhm.“ Das wirkt ungerecht.
Systemgesetz 8: Das Gesamtsystem vor der Einzelperson
Das achte Systemgesetz besagt: Das Gesamtsystem hat Vorrang vor der Einzelperson oder einem Untersystem. Das Modell ist nur so gut wie die Ordnung, die es schafft. Eine starre Ordnung kann effizienz fördern, aber auch erstarren.
Das Harzburger Modell mit seinen 300+ Regeln schaffte eine sehr strikte Ordnung. Das war Sinn des Modells: Durch Regeln sollte Klarheit entstehen. Aber was passiert, wenn die Regeln zum Selbstzweck werden? Wenn Mitarbeiter Regeln befolgen, statt das Problem zu lösen? Das ist genau das, was etwa ab 1972 kritisiert wurde. Das System wurde zu starr. Es diente sich selbst, nicht mehr dem Geschäft.
Warum Delegation ohne Anerkennung nach hinten losgeht
Das Beispiel des Schichtleiters aus dem Artikel kenne ich aus zig Beratungen: Verantwortung geben, aber im entscheidenden Moment nicht da sein. Genau diese Balance zwischen Loslassen und Präsenz zeige ich Dir im Webinar, praxisnah und ohne Umwege. Bring Deine konkrete Situation gerne live mit, ich gehe direkt darauf ein.
Live-Webinar · Kostenlos
·
📍 Online · Live aus Hamburg
·
💬 Deine Fragen direkt an Randolph
Vorteile: Wann das Harzburger Modell trägt
Trotz dieser Systemgesetzes-Verletzungen: Das Modell hatte echte Stärken. Es funktioniert in bestimmten Kontexten sehr gut.
Mitarbeitermotivation durch Vertrauen
Ein Mitarbeiter, dem man vertraut, arbeitet anders. Er fühlt sich ernstgenommen. Sein Engagement steigt. Er denkt mit. Er bringt Ideen ein. Das ist der ideale Effekt des Harzburger Modells. Vor allem erfahrene, selbstbewusste Mitarbeiter profitieren davon. Sie bekommen den Raum, den sie brauchen. Die Motivation steigt messbar.
Entlastung der Führungskraft
Ein Chef, der delegiert, wird entlastet. Er muss nicht ständig anweisen. Er muss nicht überall im Detail involviert sein. Das gibt ihm Zeit für strategische Aufgaben. Das ist für den Mittelstand wertvoll. Ein Geschäftsführer mit fünf Abteilungen kann nicht alles selbst machen. Delegation ist notwendig.
Persönlichkeitsentwicklung und Talententfaltung
Ein Mitarbeiter, der Eigenverantwortung bekommt, entwickelt sich. Er lernt, eigene Entscheidungen zu treffen. Er entdeckt seine Stärken. Er gewinnt Sicherheit. Das ist die Grundlage für gute Führungskräfte von morgen. Das Harzburger Modell erkannte das früh. Die Idee war: Durch Eigenverantwortung wachsen Menschen.
Kritik und Grenzen: Wo das Modell versagt
Ab 1972 kam die Kritik. Amerikanische Managementsysteme, flexiblere Ansätze, drängten das Modell zurück. Heute gilt es als historisch bedeutsam, aber überholt. Die Gründe sind konkret.
Zu viel Regelwerk, zu wenig Flexibilität
300+ Regeln sind nicht beweglich. Sie sind nicht situativ. Das Leben ist aber situativ. Ein Kunde kommt mit einer Notfall-Anfrage. Die Regel sieht vor: Das geht über den Dienstweg. Die Realität braucht: Schnelle Entscheidung. Der Mitarbeiter is in einem Konflikt zwischen Regel und Realität. Das frustriert. Über Zeit wird die Regel wichtiger als das Problem. Das ist das Ende des Systems.
Neue Mitarbeiter und Unerfahrene: Alleingelassen statt geführt
Die Stellenbeschreibung ist für einen erfahrenen Mitarbeiter ausreichend. Ein neuer Mitarbeiter sitzt da und denkt: „Und jetzt?“ Die Aufgabe ist klar, aber der Weg ist nicht klar. Die Anleitung fehlt. Das Modell sah vor: Der Chef greift nur ein, wenn nötig. Für neue Mitarbeiter ist „nötig“ aber deutlich früher. Sie brauchen Mentoring, nicht nur Aufgaben. Das Harzburger Modell unterschätzte diesen Bedarf.
Keine Beteiligung an Zielfindung
Das Modell sagt: Der Chef setzt Ziele, der Mitarbeiter erreicht sie. Das nennt sich Management by Objectives. Aber es gibt auch ein Problem. Der Mitarbeiter, der nicht an der Zielfindung beteiligt war, fühlt sich wie Erfüllungsgehilfe. Er hat keinen Sinn für die Aufgabe. Die moderne Forschung zeigt: Mitarbeiter, die bei der Zielfindung eingebunden sind, arbeiten motivierter. Das Harzburger Modell war zu top-down.
Bürokratische Kontrollkultur
Das Modell verlangte Abweichungsanalysen, Berichtswesen, Dokumentation. Der Chef musste überprüfen, ob alles nach Plan lief. Das wurde schnell zu viel. Mitarbeiter verbrachten Zeit mit Berichten statt mit Arbeit. Das ist das Gegenteil von Vertrauen. Eine Kultur, die alles messen und kontrollieren muss, sagt in Wahrheit: „Ich traue dir nicht.“
Neue Mitarbeitende brauchen Begleitung, keine Stellenbeschreibung
Ich sehe immer wieder, wie neue Mitarbeitende nach Wochen noch orientierungslos sind, weil Aufgabe und Weg nicht dasselbe sind. Im Webinar zeige ich Dir, wie Du neue Mitarbeitende in wenigen Wochen wirklich integrierst, statt sie alleinzulassen. Bring Deine Frage dazu gerne live mit.
Live-Webinar · Kostenlos
·
📍 Online · Live aus Hamburg
·
💬 Deine Fragen direkt an Randolph
Das Harzburger Modell heute: Historische Bedeutung und moderne Adaptionen
Das Modell ist nicht mehr Standard. Aber es ist nicht tot. Seine Ideen wirken weiter. Und manche Unternehmen nutzen Teile davon immer noch sinnvoll.
Der Niedergang ab 1972
In den 1970ern kam die Kritik. Parallel wuchsen amerikanische Systeme wie MbO und Balanced Scorecard. Diese waren flexibler. Sie stellten das Ergebnis in den Fokus, nicht die Regeln. Zusätzlich kam heraus, dass Höhn in der NS-Zeit eine fragwürdige Rolle gespielt hatte. Das diskreditierte das Modell zusätzlich. Ab 1989, als die Akademie pleite ging, war es weitgehend vorbei.
Was bleibt zeitlos: Delegation und Eigenverantwortung
Die Kernidee ist nicht falsch. Menschen brauchen Raum. Sie brauchen Eigenverantwortung. Sie brauchen Vertrauen. Das ist richtig. Aber die Umsetzung war zu starr. Moderne Ansätze wie Agile Leadership oder Servant Leadership greifen die Kernidee auf, aber flexibler. Sie sagen: Delegiere situativ. Vertrau, aber bleibe in Kontakt. Die Idee lebt, nur in anderer Form.
Die Harzburger Führungslehre seit 2004
Die Akademie für Führungskräfte (unter neuer Leitung) hat das Modell modernisiert. Sie lehrt jetzt die „Harzburger Führungslehre“, kurz HFL. Das ist evolutionärer. Nicht starr, sondern beweglich. Situativ, nicht prinzipiengetreu. Das zeigt: Der Gedanke war richtig. Die Umsetzung war zu dogmatisch.
Situativ führen statt an starren Regeln festhalten
Die Grundidee von Delegation und Eigenverantwortung ist auch heute noch richtig, nur die Umsetzung muss flexibler sein als 1954. Genau das vermittle ich im Webinar: wie Du Führungskräfte in Verantwortung bringst, ohne dabei ins alte Regelkorsett zurückzufallen. Bring Deine Frage dazu gerne live mit, ich beantworte sie Dir direkt.
Live-Webinar · Kostenlos
·
📍 Online · Live aus Hamburg
·
💬 Deine Fragen direkt an Randolph
Fazit zum Harzburger Modell
Das Harzburger Modell war eine wichtige Idee: Mitarbeiter als eigenständige, verantwortliche Menschen. Nicht als Befehlsempfänger. Für erfahrene Teams mit klarer Aufgabenteilung funktioniert dieses Prinzip bis heute. Ein erfahrener Projektleiter braucht nicht ständig Anweisungen. Ein selbstständiger Berater auch nicht. Das Modell würdigt diese Realität.
Aber es hatte zwei tödliche Schwächen. Erstens: Zu viele Regeln. Bürokratie statt Ordnung. Zweitens: Es ignorierte, dass Menschen unterschiedlich sind. Ein neuer Mitarbeiter braucht Anleitung. Ein erfahrener braucht Freiheit. Das Modell bot nur Freiheit. Das führte zu Isolation und stillem Verlass.
Für Dich als Geschäftsführer im Mittelstand bedeutet das: Die Idee der Delegation ist wertvoll. Nutze sie. Aber nutze sie situativ. Erfahrene Mitarbeiter bekommen Freiheit und wenig Kontrolle. Neue Mitarbeiter bekommen Anleitung und Begleitung. Das ist nicht weniger Verantwortung, sondern andere Verantwortung. Und das Wichtigste: Baue eine Kultur, in der Delegation auf echtem Vertrauen ruht, nicht auf Regelwerk. Sei präsent, wenn es zählt. Lass Deine Mitarbeiter Erfolg haben und feiern ihn mit ihnen. Das ist das, was das Harzburger Modell wollte, aber nicht geschafft hat.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Harzburger Modell
Passt das Harzburger Modell noch zu modernen Unternehmen?
Teilweise. Die Kernidee – Delegation und Eigenverantwortung – ist zeitlos. Die starre Regelwerk-Umsetzung von Höhn nicht. Modernes Verständnis: Prinzipiengeleitete Führung statt Regelwerksdichte. Das bedeutet: Klare Prinzipien, aber Flexibilität in der Umsetzung.
Was ist der Unterschied zwischen Harzburger Modell und Management by Objectives?
Management by Objectives ist ein Teil des Harzburger Modells. Es beschreibt die Zielkaskade: Oben werden Ziele gesetzt, sie werden in Unterziele aufgeteilt. Das Harzburger Modell ist umfassender. Es regelt auch Stellenbeschreibungen, Führungsgrundsätze, Kontrollmechanismen. MbO ist das Herz, aber nicht der ganze Körper.
Warum sind so viele erfahrene Führungskräfte noch vom Harzburger Modell geprägt?
Weil es ab 1956 in der Bundesrepublik dominant war. 600.000 Führungskräfte wurden an der Akademie ausgebildet. Diese Prägung wirkt nach. Manche Strukturen, manche Gedankenmuster vom Dienstweg bis zur Stellenbeschreibung, stammen aus dieser Zeit. Das ist nicht schlecht, sondern Kontinuität.
Wo funktioniert Delegation nach Harzburger Logik besser – in Produktion oder im Büro?
In der Produktion. Dort sind Aufgaben klarer. „Senke die Ausfallquote um 5 Prozent“ ist konkret messbar. Im Büro sind Aufgaben komplexer. „Verbessere die Kundenbeziehungen“ ist schwerer zu messen. Das macht Delegation im Büro schwieriger. Da brauchst Du mehr Kommunikation, mehr Austausch über Sinn und Wirkung.



