BWA – finanzielle Transparenz leicht gemacht

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Über den Autor

Thorsten Ziehl

Thorsten Ziehl ist CFO bei FAIRFAMILY und ein erfahrener Manager sowie Unternehmensberater mit einem starken Hintergrund in Finanzen und strategischer Unternehmenssteuerung.

Die betriebswirtschaftliche Auswertung ist mehr als ein Finanzbericht – sie ist der Schlüssel zu fundierten Unternehmensentscheidungen. Sie liefert KMUs und Selbstständigen regelmäßig Einblicke in Liquidität, Rentabilität und Abweichungsanalysen. 

Doch wie nutzt man die BWA optimal? Von Soll-Ist-Vergleichen bis zur Kreditvorbereitung – dieser Beitrag unseres HR-Lexikons erklärt, wie die betriebswirtschaftliche Auswertung Transparenz schafft und Unternehmen jeder Größe handlungsfähig macht. Entdecke die Bedeutung dieser Controlling-Lösung für langfristigen Erfolg und Wettbewerbsfähigkeit.

Die BWA ist ein Instrument, das Unternehmen eine strukturierte und detaillierte Übersicht ihrer finanziellen Lage bietet.

BWA Bedeutung: Maximaler Durchblick für Deine Finanzen

Was bedeutet BWA?
BWA ist eine Abkürzung für betriebswirtschaftliche Auswertung. Sie ist ein zentrales Instrument, das Unternehmen eine strukturierte und detaillierte Übersicht ihrer finanziellen Lage bietet. Die Erstellung erfolgt in der Regel auf monatlicher Basis. 

Um hier aktuelle Informationen als Grundlage für Entscheidungen zu liefern, ist darauf zu achten, dass die BWA möglichst schnell nach dem jeweiligen Monatsende vorliegt. Sie fungiert somit als ein wichtiger wirtschaftlicher Kompass, der Orientierung bei der Steuerung und Planung gibt. 

Beschreibung und Inhalte im Überblick

Die BWA ist ein regelmäßig erstellter Bericht, der auf den gebuchten Daten der Finanzbuchhaltung basiert. Sie bietet somit eine stetig aktualisierte Momentaufnahme der finanziellen Situation eines Unternehmens. 

In der Regel erfolgt hier ein Vergleich des aktuellen Monats mit dem Monat des Vorjahres für den Einzelmonat und auf kumulierter Basis. Besondere Aussagekraft erhält die Auswertung, wenn den Ist-Zahlen gleichzeitig entsprechende Planwerte gegenübergestellt werden. 

Somit ist schnell zu erkennen, ob sich das Unternehmen noch innerhalb der geplanten Entwicklung befindet und wo Abweichungen bestehen. Dies sind wichtige Anhaltspunkte für eine Analyse der Abweichungsgründe und einen Maßnahmenplanes zur Beseitigung der Abweichungsursachen. 

Für wen ist eine betriebswirtschaftliche Auswertung wichtig?

Dank ihrer Flexibilität und Aktualität ist die BWA insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs), Selbstständige und Freiberufler von Bedeutung. Im Unternehmensalltag wird die BWA oft von Steuerberatern extern erstellt, kann jedoch auch durch Softwarelösungen im Unternehmen intern selbst generiert werden. 

Sie hilft Unternehmen dabei, wichtige Kennzahlen wie Erträge, Aufwendungen und die Unternehmensleistung regelmäßig zu überwachen. Dies macht sie zu einem unverzichtbaren Werkzeug für die kurzfristige Steuerung der wirtschaftlichen Entwicklung.

Zweck und Vorteile der BWA

Die betriebswirtschaftliche Auswertung erfüllt zahlreiche wichtige Funktionen, die für die Unternehmenssteuerung von hoher Relevanz sind. So liefert sie aktuelle und regelmäßige Einblicke in die finanzielle Lage. Diese Aktualität ermöglicht es, schneller auf wirtschaftliche Veränderungen zu reagieren und die Liquiditätsplanung präziser zu gestalten.

Expertentipp:
Ziel sollte es sein, dass die BWA in der 1. Woche des Folgemonats vorliegt. 

Abweichungsanalyse und Maßnahmenpläne:

Gerade Plan-Ist-Vergleiche sind ein wichtiges Instrument, um Abweichungen und deren Ursachen aufzudecken und zu analysieren. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse sind entsprechend in einen Maßnahmenplan zu überführen, damit die gesteckten Ziele des Unternehmens erreicht werden. 

Unterstützung bei Entscheidungen:

Unternehmer nutzen die BWA als Controlling-Tool, um Schwachstellen und Chancen frühzeitig zu erkennen. Sie liefert eine solide Basis für operative Entscheidungen, etwa zur Kostenreduktion oder für Investitionen. Darüber hinaus bildet sie die Basis für die Erstellung von Szenarien, Hochrechnungen und Planungen. 

Benchmarking und Branchenvergleich 

Durch die einheitliche Grundstruktur jeder Auswertung können wichtige Kennzahlen wie die Personalkostenquote für vergleichende Analysen herangezogen werden. Auf diese Weise kannst Du feststellen, wo Dein Unternehmen im Vergleich zum Branchendurchschnitt oder auch zu Best-Practice-Unternehmen steht – eine wichtige Erkenntnis für die weitere Entwicklung Deines Business.

Somit hilft die BWA dabei, die eigene Performance mit relevanten Branchenkennzahlen abzugleichen, Schwächen im Marktumfeld zu erkennen und Optimierungspotenziale zu identifizieren. Damit ist die BWA ein unverzichtbares Instrument für die strategische Steuerung und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.

Transparente Auskunft gegenüber Stakeholdern

Darüber hinaus spielt die BWA eine wichtige Rolle bei der Kreditbewertung durch Banken, da sie einen umfassenden Einblick in die Liquidität und Bonität eines Unternehmens bietet. Durch die frühzeitige Identifikation möglicher Liquiditätsengpässe können Unternehmen rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten. 

Externe Partner wie Banken verlangen in der Regel eine betriebswirtschaftliche Auswertung, um die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens zu bewerten. Eine aktuelle BWA ist daher wichtiger Bestandteil bei der Vorbereitung von entsprechenden Gesprächen und führt zu einer guten Ausgangsposition, da somit das Engagement für die externen Partner kalkulierbarer wird.

Auch Unternehmensauskunfteien wie Crefo oder Coface sowie Kreditversicherer nutzen die BWA als wesentliche Informationsbasis, um ihre Bonitätseinschätzungen vorzunehmen. Mit einer aktuellen und aussagekräftigen Auswertung können Kreditlimite und Ratings positiv beeinflusst werden, was den Handlungsrahmen der Unternehmens erweitert.

Expertentipp:
Durch ein regelmäßiges Einreichen bei Auskunfteien und Kreditversicherern wird kontinuierlich eine Datenbasis und ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, welches ebenfalls wichtig für die Einschätzung des Bonitätsrisikos ist.

Eine präzise betriebswirtschaftliche Auswertung ist aus vielerlei Hinsicht sinnvoll.<br />

Anwendungen und Arten der BWA und ihre Einsatzbereiche

Die betriebswirtschaftliche Auswertung dient als vielseitiges Controlling-Tool, um die wirtschaftliche Gesundheit und Ertragskraft eines Unternehmens laufend zu überwachen. Je nach Intention und Zweck kann die betriebswirtschaftliche Auswertung unterschiedlich aussehen. Die wichtigsten Arten der BWA sind:

  • Kurzfristige Erfolgsrechnung: Weit verbreitete Standard-BWA, die Aufschluss über Gewinn, Verlust und Ertragslage eines bestimmten Zeitraums gibt. Wichtige Daten sind hierbei Umsatz, Wareneinsatz, Betriebsergebnis
  • Bewegungsbilanz: Darstellung von Mittelherkunft und Mittelverwendung für detaillierte Übersicht der finanziellen Mittelflüsse; geeignet bei kurzfristigen Liquiditätsengpässen.
  • Statische Liquidität: Gegenüberstellung der Verbindlichkeiten und Forderungen an einem bestimmten Zeitpunkt zur Bewertung der Barliquidität (Cash) und Liquidität 2. Grades.
  • Branchenorientierte Varianten: Unterschiedliche BWA-Formen je nach Unternehmensart, z.B. Handwerker-BWA, Arzt-BWA, DATEV-Standard-BWA

BWA: Kernbestandteile im Überblick

Eine typische BWA gliedert sich in mehrere wesentliche Bestandteile, die detaillierte Informationen zur finanziellen Lage des Unternehmens liefern:

  • Umsatzerlöse und Rohertrag
  • Kostenarten
  • Betriebsergebnis/EBIT
  • Kennzahlen

Umsatzerlöse und Rohertrag

Dieser Bereich der BWA umfasst Netto-Umsatzerlöse, Bestandsveränderungen sowie Materialaufwendungen. Diese Zahlen bieten eine Übersicht über die Erträge und den Wareneinsatz, der für die Generierung dieser Einnahmen erforderlich war.

Kostenarten

Hier werden die Betriebskosten nach Kategorien wie Personalkosten, Mieten, KFZ-Kosten, Abschreibungen, Versicherungen und Werbekosten sowie sonstige Kosten aufgeschlüsselt. Dieses schafft Transparenz und hilft, die Aufwandsstruktur besser zu verstehen und zu optimieren.

Expertentipp:
Durch ein regelmäßiges Kostenscreening der BWA, sprich der Durchsicht aller Kosten auf aktuelle Notwendigkeit, wird sichergestellt, dass sich nicht Kosten ansammeln, die allein aufgrund betrieblicher Übung entstanden sind. 

Betriebsergebnis/EBIT

Das Betriebsergebnis gibt den Gewinn oder Verlust aus der laufenden Geschäftstätigkeit an – vor Berücksichtigung von Zinsen und Steuern. Diese Kennzahl wird auch als EBIT (Earnings before Interest and Tax) bezeichnet. Sie ist eine zentrale Kennzahl für die Bewertung der Ertragskraft eines Unternehmens.

Wichtige Kennzahlen zur finanziellen Bewertung

Aus den Bestandteilen der BWA lassen sich neben dem EBIT auch wichtige Kennzahlen wie die Personalkostenquote, die Materialeinsatzquote oder die Rentabilität ableiten. Auf diese Weise lassen sich Vergleiche zu Plangrößen sowie zu externen Vergleichszahlen anstellen.  

Für die finanzielle Bewertung gibt es dabei besondere Kennzahlen, die aus der betriebswirtschaftlichen Auswertung hervorgehen und eine gute Vergleichsbasis bilden. Die wichtigsten dieser Kennzahlen sind:

  • Eigenkapitalquote: Verhältnis des Eigenkapitals zum Gesamtkapital. Idealwert für KMUs: mind. 20-30 % zur Sicherstellung der Unabhängigkeit von Fremdfinanzierung.
  • Gesamtkapitalrentabilität: Drückt aus, wie wirtschaftlich das Unternehmen mit seinem gesamten Kapital arbeitet; mind. 6 % Rentabilität für stabile Unternehmen.
  • Umsatzrendite: Gewinnanteil am Umsatz, Kennzahl zur Rentabilität, abhängig von der Branche (z.B. Dienstleistung: 5-10 %, Produktion: 1-5 %).
  • Cash-Flow-Rate: Maß für die Innenfinanzierungskraft, gibt die Fähigkeit zur Finanzierung durch eigene Mittel an; ab 10 % gilt als gute Cash-Flow-Rate.
  • Working Capital: Differenz zwischen Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten zur Bewertung der kurzfristigen Liquidität und Zahlungskraft.
Aus der BWA lässt sich eine Reihe an wichtigen Kennzahlen ableiten.

Fazit

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) ist ein essenzielles Werkzeug zur finanziellen Steuerung und Planung von Unternehmen. Sie liefert regelmäßig aktualisierte Einblicke in Erträge, Aufwendungen und Rentabilität

Besonders wertvoll ist dabei die Kombination aus Ist-Zahlen, Planwerten und Vergleichen mit Vorjahresdaten, die Abweichungsanalysen und gezielte Maßnahmen ermöglichen. Neben ihrer Bedeutung als Controlling-Tool unterstützt die BWA bei Entscheidungen zu Investitionen und Kostenoptimierung und erhöht die Transparenz für Stakeholder wie Banken.

Verschiedene BWA-Formen decken spezifische Anforderungen ab, während zentrale Kennzahlen wie EBIT und Rentabilität die wirtschaftliche Gesundheit eines Unternehmens bewerten. Die BWA bleibt unverzichtbar für zukunftsorientiertes Unternehmensmanagement.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur BWA

Welche Kennzahlen sind in der BWA besonders wichtig?

Die zentralen Kennzahlen sind das Betriebsergebnis (EBIT), die Rentabilität sowie die Personalkosten- und Materialeinsatzquote. Sie geben einen generellen Überblick über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

Warum verlangen Banken eine BWA bei der Kreditvergabe?

Die BWA gibt Banken Einblicke in die Ertragskraft eines Unternehmens. Dies gilt insbesondere für eine Planung mit Sicht auf drei bis fünf Jahre. Somit dient die BWA als zentrale Entscheidungshilfe bei der Vergabe von Krediten und der Bewertung der Rückzahlungsfähigkeit.

Sind alle BWAs identisch aufgebaut?

Ja und Nein. Die Grundstruktur ist identisch, der Detaillierungsgrad innerhalb dieser Struktur variiert aber je nach Unternehmen und den damit verbundenen Anforderungen.