TOP Arbeitgeber Führungs-Webinar am 01.01. Uhr

10. April 2026
Randolph Moreno Sommer

Was ist der Unterschied zwischen disziplinarischer und fachlicher Führung?

Führungsrollen klar verteilen – so geht's in der Praxis

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Disziplinarische Führung bedeutet Mitarbeiterführung mit Weisungsbefugnis und arbeitsrechtlicher Verantwortung. Fachliche Führung steuert Inhalte, Methoden und Qualität der Arbeit, jedoch ohne diese Weisungsbefugnis. Beide Führungsformen ergänzen sich, doch sie verfolgen unterschiedliche Ziele. Die disziplinarische Führungskraft entscheidet über Einstellungen, Gehälter, Urlaub und im Ernstfall auch über Kündigungen. Die fachliche Führungskraft sorgt dafür, dass die richtigen Dinge auf die richtige Weise getan werden. Moderne Unternehmen trennen diese beiden Verantwortlichkeiten bewusst, weil die Anforderungen schlicht zu unterschiedlich sind. Wer beides in einer Rolle vereint, riskiert, dass mindestens eine der beiden Aufgaben zu kurz kommt. In diesem Artikel erfährst Du, wie Du beide Führungsformen sauber voneinander abgrenzt, warum die Trennung Dein Unternehmen stabiler macht und wie das Zusammenspiel in der Praxis gelingt.

Was bedeutet disziplinarische Führung?

Was bedeutet disziplinarische Führung?

Der Begriff disziplinarische Führung beschreibt die Verantwortung für die Menschen in Deinem Unternehmen. Es geht nicht um Inhalte oder Projekte, sondern um den organisatorischen und arbeitsrechtlichen Rahmen, in dem Deine Mitarbeitenden ihre Arbeit leisten. Wer disziplinarisch führt, trifft Entscheidungen, die das Arbeitsverhältnis direkt betreffen. Das macht diese Rolle so bedeutsam und gleichzeitig so anspruchsvoll.

Aufgaben und Weisungsbefugnis des disziplinarischen Vorgesetzten

Ein disziplinarischer Vorgesetzter ist die Person, der Mitarbeitende arbeitsrechtlich unterstellt sind. Das Direktionsrecht nach §106 der Gewerbeordnung bildet die rechtliche Grundlage. Es erlaubt der Führungskraft, Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung im zulässigen Rahmen verbindlich festzulegen.

Zu den konkreten Aufgaben gehören: Einstellungen und Vertragsgestaltung, Gehaltsverhandlungen und Vergütungsentscheidungen, Urlaubsfreigaben und Arbeitszeitregelungen, Zielvereinbarungen und Leistungsbeurteilungen, Feedbackgespräche und Entwicklungsplanung, Abmahnungen und im äußersten Fall Kündigungen. All diese Aufgaben erfordern nicht nur rechtliches Wissen, sondern vor allem ein gutes Gespür für Menschen.

Laut dem Gallup Engagement Index 2024 sind nur noch 16 Prozent der Beschäftigten in Deutschland mit ihrer direkten Führungskraft zufrieden. 2019 lag dieser Wert noch bei 49 Prozent. Dieser drastische Rückgang zeigt: Die Art, wie disziplinarische Führung gelebt wird, entscheidet maßgeblich über Bindung und Motivation.

Wo die Grenzen der disziplinarischen Führung liegen

Disziplinarische Führung ist kein Freibrief für willkürliche Anweisungen. Das Weisungsrecht hat klare Grenzen. Anordnungen müssen im Rahmen des Arbeitsvertrags, geltender Gesetze und bestehender Betriebsvereinbarungen liegen. Wer diese Grenzen missachtet, verliert nicht nur das Vertrauen der Mitarbeitenden, sondern riskiert auch arbeitsrechtliche Konsequenzen.

Noch wichtiger ist die menschliche Grenze. Disziplinarische Führung, die sich auf Kontrolle und Sanktionen beschränkt, erzeugt Druck. Druck erzeugt Angst. Und Angst ist der größte Feind von Verantwortung und Eigeninitiative. Die Aufgabe besteht darin, den Rahmen zu setzen, nicht die Menschen einzuengen.

Personalverantwortung richtig ausfüllen

Zielvereinbarungen, Feedbackgespräche, Konsequenz – im Live Webinar Führung erfährst Du, wie Du disziplinarische Führung so gestaltest, dass Mitarbeitende Orientierung spüren statt Kontrolle.

Was ist fachliche Führung?

Fachliche Führung beschreibt die Verantwortung für die Inhalte der Arbeit. Die fachliche Führungskraft steuert, was getan wird, wie es getan wird und welche Qualität das Ergebnis haben muss. Sie braucht dafür keine arbeitsrechtliche Weisungsbefugnis, sondern überzeugt durch Kompetenz, Erfahrung und Kommunikation.

Aufgaben und Kompetenzen der fachlichen Führungskraft

Fachliche Führungskräfte sind in der Regel die Personen mit der tiefsten Expertise in ihrem Bereich. Ein Projektverantwortlicher, ein Meister in der Produktion, ein erfahrener Entwickler, der ein technisches Team koordiniert. Sie verteilen Aufgaben nach Kompetenz, geben fachliches Feedback, lösen inhaltliche Probleme und sorgen dafür, dass Projektziele erreicht werden.

Ein Mitarbeitender kann gleichzeitig mehreren fachlichen Führungskräften zugeordnet sein, etwa wenn er in verschiedenen Projekten mitarbeitet. Disziplinarisch unterstellt ist er jedoch immer nur einer Person. Diese Asymmetrie ist kein Fehler. Sie spiegelt die Realität moderner Arbeit wider, in der Fachwissen projektbezogen eingesetzt wird, während die Personalverantwortung dauerhaft an einem Ort liegen muss.

Führen ohne Weisungsbefugnis: Warum Fachkompetenz allein nicht reicht

Die fachliche Führungskraft steht vor einer besonderen Herausforderung. Sie muss Menschen anleiten, ohne auf formale Macht zurückgreifen zu können. Wenn ein Teammitglied eine Anweisung nicht befolgt, kann die fachliche Führungskraft keine Abmahnung aussprechen. Sie muss überzeugen, nicht anordnen.

Das erfordert weit mehr als Fachwissen. Kommunikationsstärke, Empathie, Konfliktkompetenz und die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen, sind entscheidend. In der Praxis scheitern fachliche Führungskräfte selten an mangelnder Expertise. Sie scheitern daran, dass ihnen niemand gezeigt hat, wie man ohne Machtposition führt.

Eine Studie des Marktforschungsinstituts respondi bestätigt: Fachkompetenz ist für Mitarbeitende zwischen 25 und 65 Jahren die wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft. Doch Kompetenz allein erzeugt noch keine Gefolgschaft. Sie muss begleitet werden von der Fähigkeit, Menschen mitzunehmen.

In jungen Unternehmen und in der Technologiebranche ist die fachliche Führung besonders verbreitet. Hier arbeiten Teams oft projektbezogen, die Hierarchien sind flach und die Mitarbeitenden erwarten, dass ihre Führungskraft fachlich mindestens auf Augenhöhe ist. Im produzierenden Mittelstand dagegen dominiert noch häufig das Modell der Doppelrolle. Gerade hier liegt ein Hebel: Wer erfahrenen Fachleuten die fachliche Führungsverantwortung überträgt, gewinnt nicht nur Geschwindigkeit im Tagesgeschäft, sondern schafft auch Karrierewege jenseits der klassischen Leitungsfunktion.

Disziplinarische vs. fachliche Führung: Die wichtigsten Unterschiede

Disziplinarische vs. fachliche Führung: Die wichtigsten Unterschiede

Die Unterscheidung zwischen disziplinarischer und fachlicher Führung ist keine theoretische Übung. Sie hat unmittelbare Auswirkungen darauf, wie Dein Unternehmen funktioniert, wie klar Verantwortlichkeiten verteilt sind und wie Deine Mitarbeitenden ihre Führungskräfte erleben. Die folgende Tabelle zeigt die zentralen Unterschiede auf einen Blick.

Kriterium
Kernaufgabe
Weisungsbefugnis
Typische Rolle
Führungsinstrumente
Zuordnung pro Mitarbeitendem
Kontakt zur Personalabteilung
Hierarchie
Fokus der Entwicklung
Disziplinarische Führung
Personalverantwortung und arbeitsrechtlicher Rahmen
Ja, auf Basis des Direktionsrechts
Abteilungsleitung, Geschäftsführung
Zielvereinbarungen, Mitarbeitergespräche, Abmahnungen
Genau eine Person
Regelmäßig und eng
Klar definierte Berichtslinie
Persönliche und berufliche Entwicklung des Menschen
Fachliche Führung
Inhaltliche Steuerung und Qualitätssicherung
Keine oder nur eingeschränkt
Projektleitung, Teamleitung, Meister
Fachliche Anleitung, Coaching, Überzeugung
Mehrere Personen möglich
Kaum oder gar nicht
Oft flach, projektbezogen
Fachliche Kompetenz und Projektergebnisse

Beide Führungsformen haben klare Stärken und Grenzen. Die disziplinarische Führung schafft verbindliche Strukturen. Sie gibt Orientierung durch klare Regeln, ermöglicht gezielte Personalentwicklung und sorgt für Konsequenz, wenn Vereinbarungen nicht eingehalten werden. Gleichzeitig kann sie als kontrollierend wahrgenommen werden. Wenn die disziplinarische Führungskraft zu stark auf Anweisungen setzt und zu wenig auf Eigenverantwortung, entsteht ein Klima der Rechtfertigung. Mitarbeitende tun dann, was verlangt wird, aber nicht mehr.

Die fachliche Führung fördert Eigeninitiative und Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Sie stärkt die Motivation, weil Mitarbeitende erleben, dass ihre Kompetenz geschätzt wird. Allerdings stößt sie in Konfliktsituationen an ihre Grenzen. Wenn ein Teammitglied fachliche Anweisungen ignoriert, fehlt der fachlichen Führungskraft das formale Instrument, um Konsequenzen durchzusetzen. Sie ist dann auf die Unterstützung der disziplinarischen Führungskraft angewiesen. Genau deshalb funktionieren beide Formen nur im Zusammenspiel.

Wann welches Führungsmodell passt

Die Frage ist nicht, welches Modell besser ist. Die Frage ist, wie Du beide sinnvoll kombinierst. In einem Produktionsbetrieb mit 120 Mitarbeitenden braucht es klare disziplinarische Strukturen, damit Schichtpläne, Urlaubsregelungen und Personalentwicklung verlässlich funktionieren. Gleichzeitig braucht es fachliche Führungskräfte, die den Produktionsprozess steuern und die Qualität sicherstellen.

Je komplexer die Projekte und je spezialisierter die Fachbereiche, desto wichtiger wird die fachliche Führung. Je größer die Organisation und je vielfältiger die arbeitsrechtlichen Anforderungen, desto unverzichtbarer ist die disziplinarische Führung. In den meisten mittelständischen Unternehmen brauchst Du beides.

Entscheidend ist, dass die Wahl des Modells nicht von persönlichen Vorlieben abhängt, sondern von der Struktur Deines Unternehmens. Wenn Du merkst, dass Deine Abteilungsleitung kaum noch Zeit für Mitarbeitergespräche findet, weil das operative Geschäft alles auffrisst, ist das ein klares Signal. Dann fehlt nicht die Motivation, sondern die richtige Rollenverteilung. Die disziplinarische Führung braucht geschützte Zeit, weil sie sich mit den Menschen beschäftigt. Die fachliche Führung braucht Nähe zum Tagesgeschäft, weil sie sich mit den Inhalten beschäftigt. Wer beides in eine Rolle packt, opfert fast immer die Menschenführung zugunsten des Dringenden.

Unterschiede kennen ist gut – sie leben ist besser

Die Theorie ist klar, doch in der Praxis vermischen sich die Rollen täglich. Das Live Webinar Führung gibt Dir konkrete Werkzeuge, damit Deine Führungskräfte wissen, wo ihre Verantwortung anfängt und wo sie aufhört.

Warum die Trennung beider Rollen Dein Unternehmen stärkt

Früher war es im Mittelstand üblich, dass eine Person beide Rollen gleichzeitig ausfüllte. Der Abteilungsleiter war fachlicher Ansprechpartner und disziplinarischer Vorgesetzter in einer Person. Das funktionierte, solange die Unternehmen klein und die Aufgaben überschaubar waren. Heute ist diese Doppelrolle in vielen Fällen eine Überforderung.

Auf der Brücke eines Marineschiffs gibt es eine klare Rollenverteilung. Der Kommandant trägt die Gesamtverantwortung für Schiff und Besatzung. Er entscheidet über Kurs und Einsatz. Der Navigationsoffizier hingegen ist fachlich verantwortlich für die sichere Navigation. Er berechnet Routen, überwacht Radarbilder und gibt fachliche Empfehlungen. Der Kommandant muss nicht selbst navigieren können, um gute Entscheidungen zu treffen. Aber er muss wissen, wem er vertraut und wer welche Verantwortung trägt. Diese Klarheit macht das System handlungsfähig.

Was passiert, wenn Führungsrollen unklar bleiben

In einem Metallbaubetrieb mit 90 Mitarbeitenden sitzt der Geschäftsführer abends um 19 Uhr noch im Büro. Er hat vormittags einen Urlaubsantrag abgelehnt, mittags einen technischen Fehler in der Fertigung korrigiert, nachmittags ein Gehaltsgespräch geführt und zwischendurch drei fachliche Fragen aus der Konstruktionsabteilung beantwortet. Er ist erschöpft, aber er hat das Gefühl, unverzichtbar zu sein. Genau das ist das Problem.

Wenn eine Person alles macht, fehlt die Tiefe an jeder Stelle. Die fachlichen Entscheidungen werden oberflächlicher, weil die Zeit fehlt. Die Mitarbeitergespräche werden kürzer, weil schon das nächste Problem wartet. Und die Mitarbeitenden spüren, dass sie weder fachlich noch menschlich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie brauchen.

Hier greifen die Systemgesetze. Das Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit und Anerkennung wird verletzt, wenn Menschen das Gefühl haben, dass sich niemand wirklich für sie zuständig fühlt. Die Balance von Geben und Nehmen gerät ins Ungleichgewicht, wenn Mitarbeitende Leistung bringen, aber kaum Feedback oder Entwicklung erhalten. Die Folge: Dienst nach Vorschrift. Laut dem Gallup Engagement Index 2024 betrifft das mittlerweile 78 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland.

Das sogenannte Peter-Prinzip beschreibt ein weiteres Risiko: Eine hervorragende Fachkraft wird zur Führungskraft befördert und scheitert in der neuen Rolle, weil Personalführung ein völlig anderes Handwerk ist als fachliche Expertise. Das Unternehmen verliert eine gute Fachkraft und gewinnt eine überforderte Führungskraft. Die saubere Trennung beider Rollen verhindert dieses Dilemma.

Wie das konkret aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus einem Technologieunternehmen mit 80 Mitarbeitenden. Dort gibt es zwei klar getrennte Rollen: Die Personalverantwortliche führt die Entwicklungsteams disziplinarisch. Sie vereinbart Ziele, regelt Gehalt und Urlaub, moderiert Konflikte und begleitet die persönliche Entwicklung jedes Teammitglieds. Der technische Teamverantwortliche hingegen führt fachlich. Er legt Qualitätsstandards fest, entscheidet über Methoden und organisiert die fachliche Zusammenarbeit. Wenn ein neues Projekt startet, definiert der technische Verantwortliche das fachliche Vorgehen, während die Personalverantwortliche Lernzeit und Kapazitäten freigibt. Beide sprechen sich regelmäßig ab, aber keiner greift in den Verantwortungsbereich des anderen ein. Das Ergebnis: Weniger Reibung, schnellere Entscheidungen und Mitarbeitende, die immer wissen, an wen sie sich wenden können.

Raus aus der Doppelrolle – rein in klare Strukturen

Wenn Du abends noch im Büro sitzt und gleichzeitig Gehaltsgespräche führst und Fertigungsfehler korrigierst, fehlt die Trennung. Im Live Webinar Führung erfährst Du Schritt für Schritt, wie Du Rollenklarheit schaffst und Dich als Geschäftsführer entlastest.
So gelingt das Zusammenspiel in der Praxis

So gelingt das Zusammenspiel in der Praxis

Die Trennung von fachlicher und disziplinarischer Führung ist kein Selbstzweck. Sie funktioniert nur, wenn beide Führungskräfte eng zusammenarbeiten und ihre Rollen klar definiert sind. Ohne diese Klarheit entsteht das Gegenteil dessen, was Du erreichen willst: Verwirrung, Doppelarbeit und Konflikte.

In der Praxis zeigt sich der Erfolg einer sauberen Rollentrennung an konkreten Situationen. Wenn ein Mitarbeitender ein fachliches Problem hat, wendet er sich direkt an die fachliche Führungskraft und bekommt eine kompetente Antwort. Wenn er über seine berufliche Entwicklung sprechen möchte, wendet er sich an die disziplinarische Führungskraft und weiß, dass dort Zeit und Aufmerksamkeit dafür da sind. Dieses klare Zuordnungsprinzip spart allen Beteiligten Zeit und gibt Sicherheit.

Drei Voraussetzungen für eine funktionierende Rollenverteilung

1. Verantwortung klar dokumentieren

Jeder Mitarbeitende muss wissen, wer für welche Fragen zuständig ist. Urlaubsantrag und Gehaltsfrage: disziplinarische Führungskraft. Fachliche Rückfrage zum Projekt: fachliche Führungskraft. Diese Zuordnung gehört in die Rollenbeschreibung und muss beim Einstieg neuer Mitarbeitender offen kommuniziert werden. Konkret bedeutet das: Erstelle für jede Führungsrolle in Deinem Unternehmen eine kurze Rollenkarte, auf der steht, wofür diese Person zuständig ist und wofür nicht. Besprich diese Karte mit allen Beteiligten.

2. Regelmäßigen Austausch zwischen beiden Führungskräften einrichten

Die fachliche Führungskraft erlebt die tägliche Arbeitsleistung aus nächster Nähe. Die disziplinarische Führungskraft braucht diese Einschätzung für Entwicklungsgespräche und Zielvereinbarungen. Ohne diesen Austausch entstehen blinde Flecken: Die disziplinarische Führungskraft beurteilt jemanden, dessen Arbeitsalltag sie kaum kennt. Das verletzt das Systemgesetz der Wertschätzung, weil die Beurteilung dann nicht auf echter Kenntnis beruht, sondern auf Vermutungen. Ein fester Termin alle zwei Wochen reicht oft aus, wenn er konsequent eingehalten wird.

3. Die Ordnung im System respektieren

Auch wenn die fachliche Führungskraft in ihrem Bereich die höhere Kompetenz hat, liegt die höhere Verantwortung für den Menschen bei der disziplinarischen Führungskraft. Diese Rangfolge muss beiden klar sein. Nicht als Hierarchie der Wichtigkeit, sondern als Ordnung der Zuständigkeit. Wenn beide Führungskräfte sich gegenseitig in ihren Rollen anerkennen, spüren das die Mitarbeitenden. Es entsteht Sicherheit statt Verwirrung. Wenn die fachliche Führungskraft etwa einen Leistungsabfall beobachtet, bespricht sie das zunächst mit der disziplinarischen Führungskraft, statt selbst ein Personalgespräch zu führen. Diese klare Eskalationslogik verhindert Übergriffe in den jeweils anderen Verantwortungsbereich.

Die Trennung beider Rollen entlastet nicht nur die Führungskräfte, sondern auch Dich als Geschäftsführer. Wenn Du fachliche Verantwortung an kompetente Menschen in Deinem Betrieb übergibst, gewinnst Du Zeit für die strategischen Aufgaben, die nur Du erledigen kannst. Das ist kein Kontrollverlust. Das ist Führung.

Rollenkarten, Austauschformate, Eskalationslogik

Dokumentierte Verantwortung, regelmäßiger Austausch, klare Ordnung – das klingt einfach, scheitert aber oft an der Umsetzung. Im Live Webinar Führung bekommst Du erprobte Formate aus über 5.000 Beratungen, die in Deinem Betrieb sofort funktionieren.

Fazit zu Disziplinarische vs. Fachliche Führung

Disziplinarische und fachliche Führung sind keine Gegensätze. Sie sind zwei Seiten derselben Verantwortung. Die disziplinarische Führungskraft sorgt dafür, dass der Rahmen stimmt: Verträge, Ziele, Entwicklung, Konsequenz. Die fachliche Führungskraft sorgt dafür, dass die Inhalte stimmen: Qualität, Methoden, Ergebnisse. Beides braucht Dein Unternehmen.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Du beides brauchst, sondern ob Du es bewusst gestaltest. Viele Unternehmen stolpern nicht über fehlende Kompetenz, sondern über unklare Zuständigkeiten. Wenn niemand weiß, wer wofür verantwortlich ist, entstehen Reibung, Frustration und am Ende Fluktuation.

Wer Führungsrollen klar definiert, die Zuständigkeiten sauber trennt und für regelmäßigen Austausch sorgt, schafft eine Struktur, in der Mitarbeitende wissen, woran sie sind. Und genau das ist die Grundlage für Verantwortung, Bindung und Leistung. Fang mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme an: Wer in Deinem Unternehmen führt wen, und ist das allen Beteiligten wirklich klar?

FAQ: Häufige Fragen zu disziplinarische vs. fachliche Führung

Was ist der Unterschied zwischen fachlicher und disziplinarischer Führung?

Fachliche Führung steuert die Inhalte der Arbeit, also Methoden, Qualität und Projektziele. Disziplinarische Führung verantwortet den arbeitsrechtlichen Rahmen, also Einstellungen, Gehalt, Urlaub, Entwicklung und im Ernstfall auch Kündigungen. Der zentrale Unterschied liegt in der Weisungsbefugnis: Die disziplinarische Führungskraft darf verbindliche Anweisungen erteilen, die fachliche Führungskraft muss durch Kompetenz und Kommunikation überzeugen.

Kann eine Person gleichzeitig fachlich und disziplinarisch führen?

Ja, das ist möglich und in kleineren Unternehmen auch häufig der Fall. Allerdings steigt mit der Unternehmensgröße das Risiko, dass eine der beiden Aufgaben leidet. Ab etwa 30 bis 50 Mitarbeitenden empfiehlt es sich, beide Rollen bewusst zu trennen. So kann jede Führungskraft ihren Bereich mit der nötigen Tiefe ausfüllen.

Was ist ein disziplinarischer Vorgesetzter?

Ein disziplinarischer Vorgesetzter ist die Person, der Du arbeitsrechtlich unterstellt bist. Sie entscheidet über Deine Arbeitsbedingungen, führt Beurteilungsgespräche, genehmigt Urlaub und ist Ansprechperson für alle Fragen rund um Dein Arbeitsverhältnis. Im Gegensatz zur fachlichen Führungskraft hat der disziplinarische Vorgesetzte Weisungsbefugnis auf Grundlage des Direktionsrechts nach §106 der Gewerbeordnung.

Wie führt man ohne disziplinarische Weisungsbefugnis?

Führen ohne Weisungsbefugnis erfordert andere Instrumente als die disziplinarische Führung. Entscheidend sind fachliche Kompetenz, die Vertrauen schafft, klare Kommunikation von Erwartungen und Zielen, echtes Interesse an den Menschen im Team und die Fähigkeit, Konflikte offen anzusprechen. Wer ohne formale Macht führt, braucht vor allem Beziehungskompetenz. Das erfordert Übung und oft auch gezielte Weiterbildung.