Die 6 Entspannungstypen: Finde heraus, wie du zur Ruhe kommst

Noch vor einem Jahr konnten sich viele von uns das Arbeiten von zuhause nicht schnell genug herbeisehnen. Die Vorstellung, gemütlich vom Sofa aus produktiv zu sein, schien recht verlockend.

Ja, und nun? Ein Jahr später sind einige von uns ganz schön überrascht: Die Tatsache, dass das öffentliche Leben zum Stillstand gekommen ist, scheint nicht zu bedeuten, dass auch wir zur Ruhe kommen. Ganz im Gegenteil: Zahlreiche Studien belegen, dass wir im Home-Office nur schwer abschalten können, öfter mal die Mittagspause sausen lassen und unnötige Überstunden anhäufen.

Die zusätzliche Belastung trifft allerdings noch viel mehr auf diejenigen unter uns zu, die sich in diesen Zeiten nicht auf die Couch verkriechen können. Wir sprechen hier von Menschen in Berufen, die die momentane Situation mit voller Wucht zu spüren bekommen: Pflegepersonal und Mitarbeiter*innen in Krankenhäusern, Beschäftigte bei Post- und Paketdiensten, Supermärkten und viele mehr.

Jeder spricht von Entspannung, doch die ist gar nicht so einfach herzustellen, wenn die äußeren Umstände keinen Ausgleich für Stress bieten.

Deshalb möchten wir euch in diesem Artikel die unterschiedlichen Entspannungstypen vorstellen und euch für das Thema Entspannung im Rahmen des Machbaren sensibilisieren. Nur so können wir diese herausfordernden Zeiten meistern ohne unbewusst auszubrennen.

1. Resilienz: Das Trendwort 2021 und wie es uns wirklich helfen kann

“Resilienz” ist ein Begriff, den bestimmt jeder von uns im letzten Jahr mindestens ein Mal gehört hat – sei es im Netz oder bei Gespräch mit Freunden oder Kollegen. Es beschreibt die individuelle Fähigkeit eines Menschen, Krisen unbeschadet zu meistern und auszusitzen.

Hm, zurecht hängt vielen von uns der Begriff mittlerweile zum Halse heraus. Im Grunde bedeutet es doch, dass um uns herum die Welt untergehen kann und wir entspannt und achtsam dabei zuschauen sollen. Ganz so leicht ist es leider nicht, denn Widerstandsfähigkeit setzt eine gewisse Basis und innere Sicherheit voraus. Das bedeutet vor allem: Rückzug und Batterien aufladen zu können.

Auch, wenn viele von uns wirklich versucht haben, die Zeit des Lockdowns sinnvoll zu nutzen, einen Gang runterzuschalten und uns einfach mal auf uns zu besinnen, ist es doch den wenigsten von uns gelungen, in dieser schwierigen Zeit wirklich herunterzufahren und zu entspannen.

“Wie auch?”, fragen wir uns zurecht. Das Chaos im Außen bahnt sich ungefragt den Weg ins Innere. Das Problem: Es gibt kaum Wege, um den Stress auf der Arbeit und im Privatleben auszugleichen: Auslandsreisen sind momentan kaum möglich, sportliche Betätigung ist enorm eingegrenzt, Parties und Feste finden gar nicht erst statt und durch das Home Schooling entsteht für Eltern eine enorme Doppelbelastung.

Dazu kommt, dass diese Situation bei vielen Menschen Ängste und Unsicherheiten hervorgerufen hat, die sie nun allein und in Isolation bewältigen müssen. Allein in Berlin gibt es knapp 1,3 Mio. Single-Haushalte.

Die aktuellen Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache, was unsere mentale Gesundheit während dieser Krise betrifft:
  • 71 Prozent der Kinder und Jugendlichen spüren im Zuge der Pandemie seelische Belastungen – das wirkt sich natürlich auch auf die Eltern aus. (UKE Studie)
  • 82 Prozent der Ärzt*innen stellen bei ihren Patient*innen häufiger Probleme mit Angstzuständen fest. (Studie der Betriebskrankenkasse Pronova)
  • Knapp 80 Prozent diagnostizieren öfter als zuvor Depressionen.
  • Auch die Fälle somatischer Beschwerden bei Erwachsenen nehmen zu: Müdigkeit, Erschöpfung und Schmerzen ohne organische Ursache. (Pronova Studie)
  • Bei vielen schlägt sich das vor allem nachts nieder, in Form von Schlafstörungen. Fast 70 Prozent der befragten Ärzte beobachten hier eine Zunahme der Fälle seit Beginn der Pandemie. (Pronova Studie)
Zusätzlich wären da ja auch all diejenigen, die derzeit gar keine Arbeit haben, in Kurzarbeit schweben oder gekündigt wurden. Da hat man dann auf einmal sehr viel Zeit, allerdings ist der Kopf mit Existenzängsten beschäftigt, was Entspannung schwer macht.

Kein Wunder, dass viele zu Koffein, Alkohol oder Nikotin greifen, um sich abzulenken. 16 Prozent trinken seit Krisenbeginn mehr Kaffee, 10 Prozent trinken häufiger Alkohol und 8 Prozent greifen öfter zur Zigarette. (Pronova Studie)

Egal, welcher Berufsgruppe du angehörst: Nach einem Jahr sind wir alle erschöpft. Es geht nicht mehr darum, deine Bedürfnisse, mögliche Frustration, Wut, Ärger oder andere Gefühle zu ignorieren und mit dem “Resilienz-Stempel” abzutun. Es geht nun darum, deine Gefühle bewusst wahrzunehmen, sie zu fühlen und deinem Körper und Geist die nötige Entspannung zu ermöglichen, um all das zu verarbeiten.

2. Jeder von uns entspannt anders: Entdecke, was dir gut tut

Bei den Zahlen kann einem schwindelig werden – das stimmt! Allerdings liegt es nun an jedem Einzelnen von uns, Eigenverantwortung und wieder das Ruder zu übernehmen. Die guten Nachrichten sind nämlich, dass es selbst jetzt Möglichkeiten gibt, um dein System auf deine ganz individuelle Art herunterzufahren – es bedarf nur ein wenig Übung und Disziplin.

Im folgenden stellen wir dir deshalb sechs Entspannungstypen mit den jeweiligen Entspannungstechniken vor.

Typ 1: Du entspannst mit Kultur und Musik.

Du liebst es zu lesen, Kunst zu betrachten oder Musik auf den Ohren zu haben.

Das könnte dir in diesen Zeiten helfen:

  • Virtuelle Museumsbesuche weltweit: Darunter das Museum von Frida Kahlo in Mexico City, das Musée d’Orsay in Paris oder das Albertina in Wien.
  • Ein kleiner Literaturclub mit Freunden, in dem ihr euch über eure neuesten literarischen Entdeckungen oder musikalischen Newcomer unterhaltet.
  • Geführte Meditationen oder Hörbücher, die deinen Hörsinn schärfen.
  • Selbst schreiben (Journaling), Mandalas ausmalen oder fotografieren.
  • Spaziergänge in deiner Stadt und dabei neue Streetart-Entdeckungen machen.

Typ 2: Aktivität und Dynamik bringt dich runter.

Stillsitzen ist für dich eine echte Herausforderung und bei dem Gedanken an Strandurlaub kommt bereits seichte Panik auf.

Vielleicht hilft dir folgendes beim Entspannen:

 

  • Kleine Renovierungsprojekte in der Wohnung, um mit deinen Händen aktiv zu werden.
  • Garten- oder Pflanzenarbeit: Erdet dich und lässt dich in einen aktiv-meditativen Zustand sinken.
  • Ausgiebiges Kochen und dabei mit vielerlei unterschiedlichen Zutaten hantieren.
  • Lange Spaziergänge an der frischen Luft, Wandern im Wald oder lange Radtouren.
  • Handarbeit, die dich in Bewegung sein lässt wie Makramee knüpfen, stricken oder häkeln.

Typ 3: Du brauchst Sport, um den Kopf frei zu kriegen.

Du kommst runter, wenn du deinen Körper so richtig forderst und die Energie zirkulieren lässt.

Damit kannst du es momentan versuchen:
  • Neue Sportarten ausprobieren mit dynamischen und schnellen Bewegungen.
  • Fahrradausflüge mit einem Freund oder ausgiebige Joggingeinheiten am See.
  • Zuhause im Wohnzimmer mit einer guten Playlist so richtig abzappeln und alle Blockaden abschütteln.
  • Im Alltag immer wieder Bewegung wählen statt gemütlich zu werden: Treppen statt Aufzug, längere Wege zum Supermarkt vorziehen oder zu einer Verabredung spazieren statt die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Auto nehmen.

Typ 4: Gute Gesellschaft hilft dir, loszulassen.

Du magst es, von anderen umgeben zu sein und dich als Teil einer Community zu fühlen.

So könntest du gerade entspannen:

  • Engagiere dich sozial und übernehme Verantwortung für ältere Menschen, Tiere oder Kinder, die dich gerade brauchen.
  • Versuche dich mit Menschen zu umgeben, die genauso ticken wie du und dir ein Gefühl des Zusammenhalts geben.
  • Organisiere Events wie Spieleabende (wenn auch nur virtuell) oder Kochrunden, in denen ihr gemeinsam etwas unternehmt.
  • Beginne einen neuen Kurs mit Gleichgesinnten, um etwas neues zu lernen und dich auszutauschen. Schon mal was von Masterclass gehört?

Typ 5: Du brauchst Wellness und Entspannung, um den Alltag hinter dir zu lassen.

Du liebst es, es dir so richtig gut gehen zu lassen – ob im Spa oder Zuhause. Alles, was dich in einen Zustand der Entspannung versetzt, lässt dein Herz im Dreieck springen.

So kannst du gerade entspannen:

  • Wie wäre es mit einer meditativen Klangreise?
  • Ätherische Öle geben dir zu jeder Stimmung eine Unterstützung. Ein Diffuser zerstäubt ihren Duft und Wirkung in deiner ganzen Wohnung.
  • Frag jemanden, dem du nahe bist, ob er oder sie dir eine Massage geben kann.
  • Nehme ausgiebige Bäder mit Schüsslersalzen (Fußbäder sind eine Alternative für all diejenigen, die keine Badewanne haben.)

Typ 6: Fürs Aufladen deiner Energiereserven brauchst du es kuschelig-warm.

Du bist ein echter Sonnenanbeter und der Winter macht dir zu schaffen.

Hier kommen deine Entspannungstipps:

  • Schnapp dir an grauen Tagen eine Wärmflasche und trinke leckere Kräutertees.
  • Gönne dir öfter warme Fußbäder beispielsweise beim Netflixen oder Fernsehen.
  • Halte deinen Körper warm mit dicken Socken, kuscheligen Klamotten und habe immer eine Decke parat.
  • Versuche jeden Sonnenstrahl einzufangen, den du kriegen kannst. Spaziergänge sind hierfür ein Muss!
  • Belohne dich öfter mit einem heißen Kakao oder einer Schokolade.

Und, wie wirst du zukünftig entspannen?

Wir hoffen, dass wir mit diesem bunten Potpourri an Möglichkeiten für eine Menge Inspirationen in deinem Kopf sorgen konnten.

Denke immer daran, gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, dass wir unsere Gefühle nicht unterdrücken, sondern ihnen Raum geben und sie bewusst wahrnehmen. Denn, unterdrückte Gefühle führen nicht selten zu mentalen Spannungen, die langfristig nicht tragbar sind.

Gib dir also genug Raum, um mit deinen Emotionen zu sitzen. Diesen Prozess kannst du hervorragend unterstützen, indem du die Ablenkungsfaktoren minimierst. Deine Bildschirmzeit am Handy zu senken und viel weniger in den Nachrichten zu lesen, wird dir neue Räume eröffnen, um dich mit dir selbst zu beschäftigen.

Das mag sich anfangs herausfordernd anfühlen, wird aber immer leichter fallen, wenn du dir genug Entspannungsmomente gönnst und deiner inneren Stimme zuhörst.

Wir freuen uns, dich dabei begleiten zu dürfen.

Dein FAIRFAMILY-Team

 

WRITTEN BY KARINA SCHÖNBERGER

ORIGINALLY PUBLISHED ON 04. APRIL 2021